Stipendiat*in: Henning Bühmann || HAB

Die frühen Wittenberger Thesen: Disputationen und Thesenreihen in Wittenberg 1516-1523 Disputationen prägten das universitäre Leben in Mittelalter und früher Neuzeit. In den Jahren ab 1516 erhielten sie an der Theologischen Fakultät Wittenberg eine neue Bedeutung. In einer Art Laboratorium wurden Entwürfe einer neuen Theologie und der daraus resultierenden Konsequenzen für die Reform von Kirche und […]

Das „Große Stammbuch“ Philipp Hainhofers – Hochauflösende Digitalisierung ermöglicht jetzt kunsthistorische Untersuchung bis ins kleinste Detail || HAB

Zwischen 1596 und 1633 haben sich Kaiser, Könige und Fürstinnen, Diplomaten, Gelehrte und Militärs handschriftlich in dieser frühen Form des „Freundschaftsbuchs“ verewigt. Es versammelt aber nicht (nur) Freunde im engeren Sinne, sondern auch und vor allem geschäftliche, politische und gesellschaftliche Kontakte. Das 227 Seiten umfassende Werk enthält zahlreiche von teils namhaften Künstlern gestaltete, reich verzierte Schmuckseiten. Darunter sind Porträts, heraldische, botanische und allegorische Darstellungen. Mit jedem weiteren hochrangigen Beitrag hoben sich der Status sowohl des Werks als auch seines Besitzers.

LINK ZUM DIGITALISAT:
https://diglib.hab.de/mss/355-noviss-8f/start.htm

Die neu entstandenen hochauflösenden Digitalisate ermöglichen ein „Reinzoomen“ bis zu einzelnen Pinselstrichen. So können bei der kunsthistorischen Analyse Darstellungen detailliert verglichen und Inschriften entziffert werden. Der eingehende Vergleich wiederum kann bei dem Versuch helfen, die zum großen Teil noch nicht identifizierten Künstler oder verschiedene Blätter aus einer Hand zu bestimmen. Möglicherweise können sogar frühere Bindungszusammenhänge der variablen Blätter rekonstruiert werden. Zugleich wird durch die Digitalisierung das empfindliche und kostbare Original geschützt.

Die Digitalisierung in hoher Auflösung war aufgrund der konservatorischen Bedingungen und der technischen Ausstattung zeitaufwändig, da jedes Blatt einzeln mit verso- und rectoseite, also der linken und rechten Buchseiten, fotografiert und nachbearbeitet werden musste.

Finanziert wurde der Kauf von der Kulturstiftung der Länder, der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien, der Volkswagenstiftung (im Rahmen des Niedersächsischen Vorab), der Herzog August Bibliothek (Wittchow-Aschoff-Stiftung), der Ernst von Siemens-Kunststiftung, der Stiftung Niedersachsen und der Rudolf-August Oetker-Stiftung. Das Land Niedersachsen finanziert darüber hinaus aus Mitteln des Niedersächsischen Vorab der Volkswagen Stiftung ein dreijähriges Forschungsprojekt an der HAB mit 300.000 Euro, das die Entstehung und Geschichte des Stammbuchs und seiner künstlerischen Ausgestaltung untersucht.

Das personell wie künstlerisch herausragende „Album Amicorum“ soll textlich und ikonografisch – zur Bestimmung und Deutung der Motive - erschlossen, Personennetzwerke erforscht und die Ergebnisse sowohl digital als auch in einer Buchpublikation zugänglich gemacht werden. Ziel des Vorhabens ist die Identifizierung der Personen, die sich eingetragen haben - der Inskribentinnen und Inskribenten - und der von ihnen gewählten Künstler und Motive. Die Einträge werden transkribiert, übersetzt und die teilweise komplexen Bildprogramme ikonografisch erschlossen. Darüber hinaus wird eine räumliche wie akteurszentrierte Einordnung in den Entstehungskontext der Blätter angestrebt.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt „Das Große Stammbuch Philipp Hainhofers“: https://www.hab.de/das-grosse-stammbuch-philipp-hainhofers/

 

Bild: Digitalisat des Eintrags des kursächsischen Hauptmanns Philipp Ernst von Mansfeld-Artern (1560–1631), 1629, der neben einer Devise, Wappen, Allegorien und einer handschriftlichen Widmung eine kleinteilige höfische Szenerie im Hintergrund zeigt (Foto: HAB)

Stipendiat*in: Søren Frank Jensen || HAB

Nikolaus Selnecker’s Commentary on the Psalms (1563–93) The project takes its point of departure in a series of commentaries on the Book of Psalms written by Nikolaus Selnecker and published from 1563 to 1593. The Psalter was treasured across Protestant confessions as a cornerstone in both public worship and private piety in the post-Reformation era. […]

Stipendiat*in: Mette Maria Ahlefeldt-Laurvig || HAB

Women and Childbirth in Early Modern Prayer Books Reformers of the early Lutheran era struggled to rid the birthing room of ‘popish’ antics and as the reformation century wore on, church leaders began to realise that the dangerous, liminal experience of childbirth needed a Lutheran mindset imposed upon it. There was a correct, Lutheran way […]

„Sein Kopf war seltsam verrückt und erfüllt von tausenden Vorstellungen.“ || HAB

06.10.2021

„[S]eltsam verrückt und erfüllt von tausenden Vorstellungen“, so scheinen bisweilen die Lesenotizen, die Ludwig Rudolph, der jüngste Sohn von Herzog Anton Ulrich, 1712 während eines Aufenthalts bei seinem Schwager Albrecht Ernst II. von Oettingen-Oettingen (1669-1731) machte. Bunt gemischt sind die Begriffe und Redewendungen, Autor*innennamen und Buchtitel, darunter auch das Titelzitat aus den beliebten Feenmärchen Le nouveau Gentilhomme bourgeois ou les fées à la mode (Amsterdam 1711) von Marie-Catherine d’Aulnoy, die Ludwig Rudolph zwischen dem 28. Januar und 1. Februar 1712 gelesen hatte. Im französischen Original „Sa tête étoit étrangement féleé et remplie de mille sortes d'imaginations“. Die Aufzeichnungen in seinem Tagebuch erlauben mit detaillierten Angaben einen seltenen Einblick in das fürstliche Leseverhalten.

Ludwig Rudolph hatte eigentlich eine Karriere im Militär angestrebt und in jungen Jahren „mehr lust zum Kriege alß zum büchern“ (Cod Guelf 217a Blank, S. 4) gehabt, wie er in seiner Autobiographie festhielt. Nachdem seine körperliche Verfassung und ausbleibende Erfolge auf dem Schlachtfeld eine steile militärische Karriere jedoch verhinderten, und er in das politische Geschehen seiner Zeit kaum eingebunden war, entwickelte er doch noch ein recht lebhaftes Interesse an Büchern. Aus der Bibliotheca Augusta in Wolfenbüttel entlieh er fleißig Werke geschichtlichen und religiösen Inhalts und fing an, sich eine eigene Büchersammlung aufzubauen. Auch seinen Aufenthalt im Fürstentum Oettingen-Oettingen 1712 verbrachte Ludwig Rudolph zu einem großen Teil mit ausgiebiger Lektüre. Grund für die Reise nach Süddeutschland, auf der ihn seine Ehefrau Christine Luise und seine jüngste Tochter Antoinette Amalie (1696-1762) begleiteten, dürfte allerdings nicht seine Leselust gewesen sein oder nur ein Besuch bei der Familie seiner Frau. Kaiser Karl VI. (1685-1740), der 1708 Ludwig Rudolphs älteste Tochter Elisabeth Christine (1691-1750) geheiratet hatte, hielt sich zu dieser Zeit zwecks Kaiserkrönung im Süden des Reichs auf und die beiden kamen Anfang 1712 in Nürnberg zusammen. Sicherlich bot der Besuch bei der Oettinger Verwandtschaft aber auch ein wenig Raum, um fern des heimischen Hofs ein wenig Zerstreuung und Abwechslung zu finden, und erst nach über einem halben Jahr machte sich Ludwig auf die Rückreise, die er ebenfalls detailliert in seinem Tagebuch beschrieb.

Bis zu seiner Abreise zählte Ludwig Rudolph knapp 50 gelesene Bücher und Traktate auf. Einige von ihnen, vor allem die theologische Erbauungsliteratur, wie die von seinem Beichtvater Eberhard Finen für ihn zusammengestellte Heylsame Seelen-Artzeney (Braunschweig 1711), konsultierte er gleich mehrfach. Um seinen Bücherhunger auf der Reise zu stillen, hatte Ludwig Rudolph etliche Bücher im Gepäck mitgebracht. Ein großer Teil der gelesenen Werke, so etwa eine Abhandlung über die Geschichte des Fürstentums Oettingen-Oettingen, stammte aber sehr wahrscheinlich aus der gut ausgestatteten Bibliothek seines Schwagers. Ludwig Rudolph legte in Schrattenhofen regelrechte Lesetage ein. So las er etwa im April und Anfang Mai alle sechs Bände von Giovanni Paolo Maranas L’espion dans les cours des princes chrétiens (Köln 1711), einer Sammlung fiktiver Briefe, die aus der Sicht eines türkischen Gesandten das Leben zur Zeit Ludwig XIV. kommentierten. Es war wie die meisten von ihm rezipierten Bücher und Traktate auf Französisch (gefolgt von Deutsch und Latein) verfasst, einer Sprache, die Ludwig Rudolph bereits in jungen Jahren erlernt und deren Kenntnisse er auf einer Kavalierstour nach Frankreich vervollkommnet hatte. In seinem Tagebuch notierte er sich immer wieder französische Ausdrücke und Redewendungen, die ihm wohl bisher nicht geläufig waren, wie auch die Namen etlicher Autor*innen und Bücher, die er gerne besitzen und lesen wollte.

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Erstellt mit LibReTo.

Während er die Lektürenotizen in seinem Tagebuch auf einige stichpunktartige Aufzeichnungen beschränkte, zeigen die von ihm überlieferten Exzerptbücher eine intensive Auseinandersetzung mit seiner Lektüre. Während seines Aufenthalts in Schrattenhofen exzerpierte er aus Casimir Freschots Abhandlung État ancien et moderne des duchés de Florence, Modene, Mantoue & Parme (Utrecht 1711) mehrere hundert Seiten (Cod Guelf. 176 Blank. u. Cod Guelf. 162b Blank.). Insgesamt gesehen variierte das fürstliche Leseverhalten in Oettingen-Oettingen stark und Ludwig Rudolph las gleichermaßen Unterhaltungs- wie auch religiöse Erbauungsliteratur sowie Abhandlungen, die das politische Geschehen der Zeit thematisieren. Dennoch sind die persönlichen Neigungen Ludwig Rudolphs deutlich erkennbar, insofern historisch-politische Bücher dominierten. Dazu zählen auch juristische Texte, aus denen sich Ludwig Rudolph beispielsweise die im Sinne des Absolutismus zeitgenössisch oft zitierte, auf das römische Recht zurückgehende Maxime notierte: „Princeps sit solutus Lege potestativa […] non tamen est solutus a dictamine rectæ rationis, nec a jure naturali.“ („Der Fürst sei vom positiven Gesetz losgelöst, nicht jedoch vom Diktat der richtigen Vernunft und nicht vom Naturrecht.“, Cod. Guelf. 286 Blank. S. 43). Dies wie auch die vielen anderen Exzerpte, die Ludwig Rudolph zu Papier brachte, zeigen, dass die Lektüre nicht nur seinem Vergnügen oder seiner Erbauung diente, sondern auch der „Connoissance esseuree“ (S. 4), der Vertiefung von Kenntnissen.

Zu Tage tritt aber auch Ludwig Rudolphs „Bibliomanie“ (S. 14), ein aus dem Französischen übernommener Begriff, den er sich ohne direkte Quellenangabe wohl am 21. Februar 1712 notierte. Diese Bibliomanie führte dazu, dass Ludwig Rudolph von seiner Reise zurückgekehrt ab 1714 seine seit 1709 in Blankenburg aufgestellte Bibliothek systematisch erweiterte, bis sie bei seinem Tod 1735 gut 15.000 Bände umfasste.

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Das Ex Libris Ludwig Rudolphs (Cod. Guelf. 28 Blank).

Er hinterließ damit, seinem Großvater August d. J. nicht unähnlich, ein Zeugnis „barocker Bücherlust“ (Paul Raabe), das Mitte des 18. Jahrhunderts zu großen Teilen in die herzogliche Bibliothek in Wolfenbüttel überführt wurde und sich heute, zum Teil noch mit seinem Ex Libris versehen, in der Mittleren Aufstellung befindet.

 

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Abbildung: Johann Konrad Eichler, Porträt des Herzogs Ludwig Rudolph zu Braunschweig-Lüneburg, 1731, Sign.: B 92.

Stipendiat*in: Mārtiņš Laizāns || HAB

Tests of Basilius Plinius: Poetics, Rhetoric, Aesthetics Mārtiņš Laizāns is at the finishing stage of his PhD thesis. The thesis „Texts of Basilius Plinius: poetics, rhetoric, aesthetics“ studies the works (poetry) by a 16th century Livonian poet Basilius Plinius from Riga. At the same time Mārtiņš Laizāns is a researcher in the project „Riga Literata: […]

Stipendiat*in: Monica O’Brien || HAB

‘Murderers’ and ‘Honest Persons’: Religious emotions and responses to syphilis, 1495-2000 Through an analysis of printed texts held by the Herzog August Bibliothek, this project investigates the role of religion in shaping emotional responses to syphilis in Germany from 1495 to 2000. It explores how religion motivated the expression of a complex range of emotions, […]