Stipendiat*in: Kelly Douma || HAB

Women’s Migration in the Eighteenth Century Kelly Douma-Kaelin is a PhD Candidate at The Pennsylvania State University in the departments of History and Women’s, Gender, and Sexuality Studies. Her dissertation, entitled “To Be Proposed as Useful: Moravian Women’s Marriage and Migration in the Eighteenth-Century,” explores the place of women within the mission settlements of the […]

Stipendiat*in: Javier Patiño Loira || HAB

Sharp Minds: Metaphor and the Cult of Ingenuity in an Age of Science (1639-1654) My book project Sharp Minds tells a story at the crossroads of humanistic and scientific inquiry. It explores the 17th-century cult of intricate and wonder-arousing metaphors, called “conceits,” in connection with contemporary discourses on natural philosophy and mathematics. In a conversation, […]

Stipendiat*in: Leonard Dorn || HAB

Kriegsgefangenschaft im Konflikt zwischen Frankreich und Großbritannien im Alten Reich (1757-1762): Räume – Praktiken – Lebenswirklichkeiten Das Dissertationsprojekt verfolgt bei der Untersuchung von Kriegsgefangenschaft als wichtiges Phänomen des friedlosen 18. Jahrhunderts einen sozial- und kulturgeschichtlichen Ansatz. Zentrale Quellenkorpora sind dafür mehr als 40 Tagebücher und insbesondere Schriftgut aus deutschen, britischen und französischen Archiven. Erstes Anliegen […]

Künstlerbuchpreis || HAB

Die internationale Ausschreibung richtet sich sowohl an etablierte Buchkünstler*innen als auch den künstlerischen Nachwuchs, und lädt dazu ein, ein Konzept für ein Künstlerbuch einzureichen, das aus den Beständen oder Themen der Herzog August Bibliothek inspiriert ist. Die Entscheidung über die Vergabe des Preises erfolgt durch eine Jury, der folgende Personen angehören:

  • Prof. Dr. Peter Burschel, Wolfenbüttel (Direktor der Herzog August Bibliothek)
  • Nikoline Kästner, Staufen (Papierrestauratorin)
  • Dr. Johannes Mangei, Wolfenbüttel (stv. Direktor der Herzog August Bibliothek)
  • Manja Puschnerus, Wolfenbüttel (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Curt Mast Jägermeister-Stiftung)
  • Dr. Sabine Solf, Wolfenbüttel (Vorsitzende der Jury)
  • Dr. Stefan Soltek, Offenbach (Leiter Klingspor Museum)

 

Der Künstlerbuchpreis ist mit 6.000 EUR dotiert und der Möglichkeit eines vierwöchigen Forschungsaufenthalts an der Herzog August Bibliothek verbunden. Das neue Künstlerbuch, das im Laufe eines Jahres entstehen soll, wird bei einer offiziellen Preisverleihung zur Ehrung des prämierten Künstlers / der prämierten Künstlerin der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Preisträger*innen:

2018: Hyewon Jang, Halle, "Ordnung im Wissen - Zusammenfluss der Bestände"

2019: Marshall Weber, New York, "The Wolfenbüttel People’s Library". Ein Interview mit dem Preisträger finden Sie in unserem HABlog.

2020: Ulrike Stoltz, Berlin, "Caro Giordano. Eine Spurensuche"

Stipendiat*in: Dominika Kovács || HAB

Reception of Andreas Capellanus’ De Amore in 14th and 15th century Central Europe I examine the later medieval (14-15th century) Central European reception of the treatise De amore written originally by Andreas Capellanus in the 12th century. The relevance of this topic is demonstrated by the fact that while several studies have been written about […]

Der überführte Bücherdieb || HAB

25.03.2021

Der protestantische Theologe, Philologe und Historiker Flacius Illyricus war zweifellos eine der markantesten Gestalten der Reformationszeit. Der 1520 im kroatischen Labin geborene Flacius hatte nach einem altsprachlichen Studium bereits 1544 eine außerordentliche Professur für Hebräisch in Wittenberg erhalten. In den Auseinandersetzungen um die rechte protestantische Lehre, die nach Luthers Tod ausbrachen, vertrat der Gelehrte im Gegensatz zu seinem akademischen Lehrer Philipp Melanchthon häufig extreme Positionen, die er mit unnachgiebiger Härte verteidigte. Daher musste er 1549 Wittenberg verlassen und verlor 1561 auch seinen zweiten Lehrstuhl in Jena. Mit dem Großteil der protestantischen Führungselite zerstritten, verbrachte Flacius den Rest seines Lebens in verschiedenen Städten, darunter Magdeburg und Frankfurt am Main, wo er im März 1575 starb.

Während seine zahlreichen Streitschriften und Werke zur Bibelauslegung allenfalls von historischem Interesse sind, ist seine Bedeutung als Begründer der protestantischen Kirchengeschichte nach wie vor unumstritten. Flacius versuchte zu beweisen, dass die von den römischen Päpsten beherrschte Kirche seit dem Urchristentum in einem unaufhörlichen Niedergang begriffen war, den erst die lutherische Reformation beendet hatte. Deshalb durchsuchte er mit Hilfe eines europaweit tätigen Gelehrtennetzwerkes die Klosterbibliotheken nach passenden Texten, die er in seinem Catalogus testium veritatis (Katalog der Wahrheitszeugen) bekannt machte und für das große Geschichtswerk der Magdeburger Centurien (1559–1574) verwenden ließ. Dabei eilte ihm sein zweifelhafter Ruf als unversöhnlicher Theologe voraus, der auch sein Ansehen als Quellensammler deutlich schmälerte.

Bereits Zeitgenossen war Flacius als Bücherdieb und Bücherfledderer verdächtig, der mit einer Mönchskutte verkleidet in die Klosterbibliotheken geschlichen sei und dort ganze Handschriften entwendet oder mit einem versteckten Messer die ihn interessierenden Teile heimlich herausgeschnitten habe. Diese auch von Herzog Julius kolportierte Geschichte wird in der Forschung kontrovers diskutiert.

Allerdings wurde bisher der methodisch nächstliegende Weg nicht beschritten – nämlich zu prüfen, ob sich unter den fast 1.000 Bänden, Handschriften und Drucken, die 1597 aus dem Flacius-Nachlass in die Wolfenbütteler Hofbibliothek kamen, herausgetrennte oder fragmentarische Stücke befinden. Diese Möglichkeit eröffnen jetzt zwei an der HAB angesiedelte und von der DFG geförderte Projekte: Die seit 2001 laufende Neukatalogisierung der mittelalterlichen Helmstedter Handschriften und die 2020 begonnene Digitalisierung der Codices aus dem Besitz von Flacius.

Bislang sind fast zwei Drittel der flacianischen Handschriften gemäß den Katalogisierungsrichtlinien der DFG neu erschlossen worden – mit einem eindeutigen Ergebnis: Mehrere Bände haben sich als nachträgliche, von Flacius selbst angelegte Synthesen von nicht zusammenpassenden Fragmenten erwiesen, darunter Cod. Guelf. 367 Helmst. mit insgesamt neun Teilen, die aus Nord- und Süddeutschland, Norditalien, Böhmen und Frankreich stammen. Im Nürnberger Schottenkloster St. Ägidien erwarb Flacius 1554 mit Cod. Guelf. 277 Helmst. und 279 Helmst. zwei vollständige Handschriften. Erst jetzt stellte sich heraus, dass er dort aus einem weiteren Codex die Blätter 132–174 herausgetrennt und ebenfalls an sich genommen hatte (Cod. Guelf. 299.1 Helmst., Abb. 1); wo sich die Reste dieses Buches heute befinden, ist unbekannt.

Theodorus de Lellis: Replica contra Gregorium Heimburg. Textbeginn mit der originalen Foliierung aus dem Nürnberger Schottenkloster (139) und der aktuellen Blattzählung (Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 299.1 Helmst., fol. 10r, 1460–1475) //www.hab.de/wp-content/uploads/2021/03/hab-hablog-lesser-buecherdieb-abb-1-theodorus-de-lellis-ausschnitt-3.jpg
Theodorus de Lellis: Replica contra Gregorium Heimburg. Textbeginn mit der originalen Foliierung aus dem Nürnberger Schottenkloster (139) und der aktuellen Blattzählung (Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 299.1 Helmst., fol. 10r, 1460–1475)

In welchem Ausmaß Flacius solche Ausschnitte gesammelt hat, zeigt anschaulich der 1613/14 von Liborius Otho angefertigte Katalog der Wolfenbütteler Hofbibliothek. Darin verzeichnete Otho mehr als 50 Fragmente kirchengeschichtlichen Inhalts, die mit Sicherheit von Flacius stammen. Viele dieser Stücke, zum Beispiel die als Z 81 gekennzeichnete schottische Chronik (Abb. 2), sind jedoch in der HAB nicht mehr auffindbar.

Liborius Otho, Gesamtkatalog der Wolfenbütteler Hofbibliothek, Signaturgruppe PAPALIA MISCELLANEA mit dem Eintrag "Chronicon Galliae et Scoticum … in membranis manuscriptum" unter Nr. Z 81 (Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. A Extrav., p. 303, 1613/1614) //www.hab.de/wp-content/uploads/2021/03/hab-hablog-lesser-buecherdieb-abb-2-liborius-otho-ausschnitt-2.jpg
Liborius Otho, Gesamtkatalog der Wolfenbütteler Hofbibliothek, Signaturgruppe PAPALIA MISCELLANEA mit dem Eintrag "Chronicon Galliae et Scoticum … in membranis manuscriptum" unter Nr. Z 81 (Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. A Extrav., p. 303, 1613/1614)

Recherchen haben ergeben, dass sie mit dem Nachlass des Helmstedter Gelehrten Hermann von der Hardt 1786 in die Markgräflich Badische Hofbibliothek nach Karlsruhe gelangten. Dazu gehört auch die von Otho genannte Chronicle of Holyrood (Karlsruhe, BLB, Cod. K 345), die der Historiker Marcus Wagner 1553 im Auftrag von Flacius in der schottischen Zisterzienserabtei Coupar Angus an sich gebracht hatte – ob mit oder ohne Einverständnis des Vorbesitzers, ist unbekannt.

Die detektivische Kleinarbeit des Erschließungsprojekts hat zahlreiche Beweise erbracht, die Flacius eindeutig als Bücherdieb überführen; dass die Spuren seiner unrühmlichen Tätigkeit in Wolfenbüttel und in Karlsruhe zu finden sind, ist ein weiteres Ergebnis. Schließlich hat sich gezeigt, dass Flacius oder seine Beauftragten auch als ganz offizielle Bibliotheksbenutzer nicht immer legale Wege beschritten haben: Der in Wien aufbewahrte Leihschein für die Handschrift Cod. Guelf 313 Helmst. aus dem Benediktinerkloster Melk in Österreich ist auf den 7. September 1552 datiert und damit längst abgelaufen…

 

#HABewegt


© Abbildung: Bildnis des Matthias Flacius Illyricus. Holzschnitt von Tobias Stimmer und Christoph Murer, nach 1719. Germanisches Nationalmuseum,  Nürnberg. Die Inschrift lautet:

Matthaeus Falicus Illyricus Theol.
cultellus Flacii, Bibliothecis
suspectus ut est Wagenseilii

Ein Sclav geborn von Albon.
viel stritt in Sachen Religion
zuwider Interim, und willensfrey
Erbsünd gefällt mir, waß wesentlich sey

stirbt: 1575