Doris Gruber || HAB

Fantastische Tierwesen: Westliche Echos osmanischer Fauna in Text und Bild (ca. 1450–1700)

Das interdisziplinär angelegte Projekt geht der zentralen Frage nach, wie sich Wahrnehmungen osmanischer Fauna zwischen ca. 1450 und 1700 in gedruckten Reiseberichten des Heiligen Römischen Reichs manifestierten, ob sich hier synchrone und diachrone Varianzen aufzeigen lassen und wenn ja warum. Es rückt jene Periode in den Fokus, die bislang vornehmlich als die Periode der „Türkenfurcht“ charakterisiert wurde. Die vorherrschende Annahme, das Osmanische Reich hätte in der öffentlichen Wahrnehmung vornehmlich als Projektionsfläche militärisch-politischer Beziehungen und je nach Bedarf als Feind, Vorbild oder Bündnispartner gedient, soll neu differenziert werden.

Das Projekt betritt in mehrerer Hinsicht Neuland: inhaltlich, da der Fokus erstmalig auf der Wahrnehmung osmanischer Fauna im Heiligen Römischen Reich liegt, medial, da Bilder stärker in den Fokus rücken, und buchgeschichtlich, da neue Erkenntnisse zur intermedialen Dimension von Reiseberichten bzw. Drucken erwartet werden.

 

https://www.oeaw.ac.at/ihb/personen/gruber-doris

https://oeaw.academia.edu/DorisGruber

https://twitter.com/DorisirodGruber/

Hyun-Ah Kim || HAB

Music, Rhetoric and Christian Hebraism in Early Modern Europe: Reuchlin’s Reconstruction of the Modulata Recitatio

This project seeks to elucidate the nexus of music, rhetoric and Christian Hebraism within the wider intellectual context of early modern Europe, focussing on Johannes Reuchlin.  Existing studies of early modern Christian Hebraism, while centring on the spread of Hebrew and Jewish literature among Christian scholars of the day, have paid little attention to how they studied Hebrew language and the ‘delivery’ (pronuntiatio) of the Hebrew Bible as an aural/oral tradition. This question is absent in the modern historiography of Reuchlin too. Likewise, current scholarship on Renaissance rhetoric is mainly concerned with its Greco-Roman heritage, dismissing the Hebraic aspect of early modern rhetorical tradition. The aim of this project is to fill that gap by reassessing the significance of Reuchlin’s study of Kabbalah and cantillation in relation to the humanist tradition of rhetoric as philosophy and of music as rhetoric, with an emphasis on the ancient notion of modulata recitatio.

 

Selected Publications:

https://www.melanchthon.com/Melanchthon-Akademie/Wissenschaft_und_Forschung/Wissenschaftler/Dr_Hyun-Ah_KIM.php

Wir machen Bücher. 450 Jahre Herzog August Bibliothek || HAB

Die große Sonderausstellung zur Geschichte des Wissens und zur Kultur des Buches wird anlässlich eines Festaktes zum 450. Jubiläum der Herzog August Bibliothek am Dienstag, 5. April 2022, um 17 Uhr in Anwesenheit des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in der Augusteerhalle der Bibliotheca Augusta eröffnet. Neben Björn Thümler, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, wird Peter Burschel, Direktor der HAB, auch den Festredner Ulrich Raulff begrüßen dürfen. Die Veranstaltung wird auf dem YouTube-Kanal der HAB live übertragen.

„Wir machen Bücher“ ist vom 6. April bis 3. Juli 2022 in den musealen Räumen der Bibliotheca Augusta zu sehen. Das Evangeliar Heinrichs des Löwen und Mathildes von England wird für sechs Wochen vom 6. April bis 17. Mai 2022 in der Schatzkammer ausgestellt.

 

Vertreter*innen der Presse können die Ausstellung vorab am Montag, 4. April 2022, um 15 Uhr besichtigen. Eine Anmeldung ist erforderlich.

 

Die Ausstellung bietet eine Reise durch die Geschichte einer alten europäischen Bibliothek, die auch in Zukunft ein Begegnungsraum mit der Vergangenheit sein wird. In fünf Sektionen soll gezeigt werden, dass die Bibliothek nicht nur Speicher und Bühne des Wissens ist, sondern die Entstehung neuer Bücher bedingt und befördert hat. Die Geschichte der Bibliothek ist die Geschichte der Bücher, die aus ihr hervorgegangen sind. Kuratiert wird die Ausstellung von Hole Rößler, stellvertretender Leiter der Forschungsabteilung der HAB.

Am 5. April 1572 erließ Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg eine Libereyordnung. Sie gilt als Gründungsdokument, mit dem die Geschichte der Wolfenbütteler Bibliothek ihren Anfang nimmt. Der lange Weg von der Hofbibliothek eines frühneuzeitlichen Landesfürsten zu einer international renommierten Forschungsbibliothek war weder vorgezeichnet noch gradlinig. Doch dank glücklicher Umstände haben ihre Bestände die Zeiten weitgehend unversehrt überdauert. Nachdem Herzog August Mitte des 17. Jahrhunderts eine der größten Büchersammlungen Europas aufgebaut hatte, wurde Wolfenbüttel zum Anziehungspunkt für Reisende aus vielen Ländern. Seine Universalbibliothek besitzt Literatur aus allen Wissensgebieten und bildet daher bis heute den Kern der nach ihm benannten Einrichtung.

Trotz ihres Alters und des noch höheren Alters mancher ihrer Handschriften und Drucke ist diese Bibliothek kein Museum für ehrwürdig verstaubte Bücher. Vielmehr erweist sie sich schon sehr lange als lebendiger Ort der Gewinnung und Vermittlung von Wissen. Ihre Nutzung allein rechtfertigt, dass „so viele Bücher mit so vielen Kosten hier zu Haufe gebracht wurden“, wie Gotthold Ephraim Lessing bemerkte. Und so ist die Bedeutung der Bibliothek nicht nur an den Büchern zu ermessen, die sie bewahrt, sondern vor allem an den Büchern, die sie ermöglicht und hervorgebracht hat.

Im Zentrum der Ausstellung stehen Bücher, die in besonderer Weise mit der Wolfenbütteler Bibliothek verbunden sind, die ohne sie nicht geschrieben worden wären. Aus den alten Büchern entstehen bis heute neue Bücher: gelehrte Abhandlungen ebenso wie Romane, Reiseführer und Kataloge, Editionen und Faksimiles – und nicht zuletzt faszinierende Künstlerbücher. An einer großen Auswahl von Exponaten werden die Möglichkeiten zur Entdeckung, Erforschung und Erfindung erfahrbar, die der vielgestaltige Bücherschatz in den letzten viereinhalb Jahrhunderten geboten hat und wie sie genutzt wurden.

Aus Anlass ihres Jubiläums zeigt die Herzog August Bibliothek außerdem einige ihrer kostbarsten Originale, allen voran das Evangeliar Heinrichs des Löwen und Mathildes von England aus dem 12. Jahrhundert. Dieses prachtvolle Meisterwerk mittelalterlicher Buchmalerei kann nur selten und für kurze Zeit ausgestellt werden. Daneben werden einzigartige Manuskripte und seltene Drucke zu sehen sein, aber auch Kuriositäten, mit denen einstmals Besucherinnen und Besucher unterhalten wurden.

 

Das Jubiläumsjahr auf einen Blick

Für das Jubiläumsjahr 2022 plant die HAB zahlreiche Aktivitäten, Veranstaltungen und Publikationen. Besondere Aufmerksamkeit wird ihr durch die Veröffentlichung einer Sonderbriefmarke durch das Bundesfinanzministerium zuteil. Die Präsentation findet am 28. April 2022 in der Bibliotheca Augusta statt.

Im Sommer öffnet die Bibliothek ihre Türen für die breite Öffentlichkeit. Am Tag der offenen Tür, 2. Juli 2022, sollen informative und unterhaltsame Formate vielfältigste Einblicke in die HAB ermöglichen. Dazu gehören neben Führungen und Workshops unter anderem auch ein Wissenscafé und musikalische Begleitung.

In Kooperation mit der Gesellschaft der Freunde der Herzog August Bibliothek und der Dauer-Gedächtnis-Stiftung ist für den Herbst 2022 ein Konzert in Planung.

Neben den öffentlichen Feierlichkeiten gehören zu einem Bibliotheksjubiläum selbstverständlich Bücher. 2022 erscheinen begleitend zum Jubiläum einige neue Publikationen. Bereits erschienen ist Peter Burschels „Die Herzog August Bibliothek. Eine Geschichte in Büchern“, Insel-Bücherei 1496, Insel Verlag. In der zweiten Jahreshälfte soll eine Sammlungsgeschichte der HAB im Hausverlag erscheinen sowie eine Publikation zur Künstlerbuchsammlung, mit einer Auswahl der Neuanschaffungen seit 2000.

Die HAB wird gemeinsam mit der Hans und Helga Eckensberger Stiftung im Herbst 2022 erstmals einen Forschungspreis für Kultur-, Wissens- und Mediengeschichte verleihen. Der Künstlerbuchpreis der HAB und der Curt Mast Jägermeister Stiftung wird in diesem Jahr bereits zum vierten Mal vergeben. Die Preisträgerin Beldan Sezen präsentiert ihr Buchobjekt voraussichtlich im September 2022.

Einblicke in die vielfältigen Themen der HAB bietet auch der neue Podcast „HAB gehört“, der bereits auf allen bekannten Plattformen und natürlich auf der Website der HAB zu hören ist.

 

Besucherinformationen

Öffnungszeiten der musealen Räume der Bibliotheca Augusta: Di.-So. 10-17 Uhr

Eintritt: 5,- Euro, ermäßigt 2,-/1,- Euro, Kinder bis 12 freier Eintritt

Weiter Informationen auch zu den aktuellen Corona-Regeln erhalten Sie unter
Tel.: 05331/808-203 und auf www.hab.de.

 

Abbildungen

Bild 1: Tintenfass, das Martin Luther nach dem Teufel geworfen haben soll. Blei, vor 1686. (Foto: HAB)

Bild 2: Angesengter Gottesbeweis: Unverbrannt geborgenes Exemplar von Johann Arndts Paradies-Gärtlein, 1676 (Foto: HAB)

Bild 3: Blatt 170r des Evangeliars Heinrichs des Löwen und Mathildes von England: Die Auferstehung Christi. Pergamenthandschrift, um 1188 (Foto: HAB)

Bild 4: Blatt 170v des Evangeliars Heinrichs des Löwen und Mathildes von England. Die Geißelung Christi (oben) und die Kreuzigung (unten). Pergamenthandschrift, um 1188. (Foto: HAB)

Bild 5: Der Fürst als gelehrter Autor: Herzog August von Braunschweig-Lüneburg (1579-1666), Kupferstich von Adriaen Matham, 1646. (Foto: HAB)