Caro Giordano || HAB

Ein Brief, den Giordano Bruno 1589 verfasste und den die Herzog August Bibliothek aufbewahrt, wurde zum Ausgangspunkt des mit dem Künstlerbuchpreis des Jahres 2020 ausgezeichneten Projekts von Ulrike Stoltz.

Im Laufe eines Jahres erschuf die Typografin und Buchkünstlerin ein Kaleidoskop aus Texten und Bildern, das sich dem Philosophen Giordano Bruno aus unterschiedlichsten Perspektiven nähert und verschiedensten Resonanzen nachspürt. Das Künstlerbuch, das sie für den Künstlerbuchpreis der Herzog August Bibliothek und der Curt Mast Jägermeister-Stiftung 2020 anfertigte, trägt den Titel „Caro Giordano. Resonanzen & Gestrüpp“.

In der Ausstellung zum prämierten Projekt werden neben dem Künstlerbuch Caro Giordano frühere Werke der Künstlerin gezeigt, in denen sie sich bereits mit Giordano Bruno beschäftigt hat. Außerdem beinhaltet die Ausstellung bildnerische Arbeiten, die im Laufe des letzten Jahres parallel zum Buch entstanden sind, sowie zahlreiche Skizzenbücher, die die Projektentwicklung bis hin zum fertigen Künstlerbuch zeigen.

Ulrike Stoltz ist Typografin und Buchkünstlerin, aber auch Wegbereiterin und Vermittlerin des Genres Künstlerbuch. Seit über dreißig Jahren ist sie in der Künstlergemeinschaft <usus> aktiv, deren Künstlerbücher 2016 in der Ausstellung buch. räume. sprach. bilder. 30 Jahre Zusammenarbeit. ‹usus›. Uta Schneider & Ulrike Stoltz in der Herzog August Bibliothek gezeigt wurden. Bis 2018 war Ulrike Stoltz Professorin für Typografie an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.

© Abbildungen: Ulrike Stoltz

Veranstaltungen

Donnerstag, 09. September 2021, 18:15 Uhr: Preisverleihung und Präsentation des Künstlerbuchs. Eine Aufnahme der Veranstaltung ist auf dem Youtube Kanal der HAB abrufbar: bit.ly/3Caon4w

Stipendiat*in: Wojciech Kordyzon || HAB

Polish Translation of „Tragedy on Mass” (1560) by Bernardino Ochino: Literary and Theological Contexts for the Critical Edition of the Text Bernardino Ochino’s Tragedy on Mass translated into Polish and printed in 1560 is a starting point for my research on the vernacular communication in the religious controversies driven by the Reformation in the sixteenth-century […]

Stipendiat*in: Rachel Masters Carlisle || HAB

All’antica Augsburg: Picturing German Antiquity in the Age of Print Unlike many early modern centers in northern Europe, Augsburg did not rely on the invention or falsification of antiquities. Working in the shadow of Holy Roman Emperor Maximilian I, Augsburg’s leading patrons, including humanist Konrad Peutinger and the mercantile Fugger family, documented surviving local antiquities […]

„Im Prozess permanenter Veränderung“ || HABlog – HAB

07.09.2021

Als Christopher Wilde (Los Angeles) im Jahr 2004 für seine Reise nach Deutschland die Koffer packte, legte er auch einen ungewöhnlichen Gegenstand hinein: Einen leeren, handgehefteten Buchblock aus Büttenpapier ohne Deckel. Dieser Buchblock war eine Einladung der Organik Art Group, vertreten durch Wilde selbst, Marshall Weber und Kurt Allerslev (beide New York) an die Künstlerinnengruppe ‹usus›. Der Name dieser Gruppe ergibt sich aus den Initialen ihrer zwei Begründerinnen: Uta Schneider (Offenbach am Main) und Ulrike Stoltz (Berlin). Schneider und Stoltz nahmen die Einladung an. So begann eine Zusammenarbeit, die ein langjähriger kollegialer Austausch voller Freundschaft und gegenseitiger Inspiration krönen sollte.

„Für dieses Buch gab es keine Spielregeln. Alles war erlaubt, jede Technik möglich“, beschreibt Ulrike Stoltz das Projekt. Die Künstler*innen gestalteten das Buch nacheinander und aufeinander aufbauend. Als Erste füllte Ulrike Stoltz die 196 Buchseiten in Handschrift mit ihrem Text Lady Mikado. Dieser verschwand dann zunehmend unter den verschiedenen Schichten von Farben und Formen, unter den Nähten, den Klebestreifen und Stempeln, die das Buch nach und nach füllten.

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„Der jetzt lesbare Text ist eine poetische Beschreibung dessen, was in dem Buch zu dem damaligen Zeitpunkt zu sehen war, was ich mit den abstrakten Formen spontan assoziierte – häufig Landschaftliches“, erzählt Ulrike Stoltz. Daher auch der Titel: Lady Mikado’s Landscape.

Da die Künstler*innen aufgrund vergangener Erfahrungen dem Postversand kein Vertrauen entgegenbrachten, reiste das Buch ausschließlich im Handgepäck über den Atlantik. Die amerikanischen Künstler nahmen an der Frankfurter Buchmesse teil, die Künstlerinnen hinter ‹usus› machten Vortragsreisen in die Vereinigten Staaten. So dauerte es acht Jahre, das Künstlerbuch fertigzustellen. Alle Künstler*innen antworteten mit ihrer Arbeit auf die Arbeit der Vorgänger*innen. Heute ist es selbst für die Beteiligten nicht immer möglich, zu unterscheiden, wer was wann hinzugefügt hat.

„Das Buch war im Prozess permanenter Veränderung“, sagt Stoltz. „Durch die radikale Freigabe des Buchraums kam es vor, dass Beteiligte die eigenen Spuren (Zeichnungen, Texte) beim nächsten Mal gar nicht oder in völlig veränderter Form wiederfanden, weil die Kolleg*innen Teile ausgeschnitten, zugeklebt oder übermalt hatten.“ Eine solche Zusammenarbeit erfordert uneingeschränktes Vertrauen darauf, dass die Partner*innen beim Arbeiten immer das Buch als Ganzes im Auge haben. Die künstlerische Identität muss zugunsten des Gesamtwerks zurücktreten, damit aus fünf eins werden kann.

Heute gehört Lady Mikado's Landscape zur Künstlerbuchsammlung der HAB. Marshall Weber, der als Teil der Organic Art Group ebenfalls an der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Werkes beteiligt war, erhielt für sein Projekt The Wolfenbüttel People’s Library 2019 den Künstlerbuchpreis der Herzog August Bibliothek. Stoltz und Weber verbindet eine langjährige künstlerische Zusammenarbeit, die nun in Gestalt des Künstlerbuches in der HAB sicht- und greifbar geworden ist.

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Im Jahr 2020 verlieh die HAB gemeinsam mit der Curt Mast Jägermeister Stiftung den Künstlerbuchpreis an Ulrike Stoltz. Die Typografin und Buchkünstlerin war bis 2018 Professorin für Typografie an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und gilt als Wegbereiterin und Vermittlerin des Genres Künstlerbuch. Ausgezeichnet wurde ihr Projektentwurf Caro Giordano. Resonanzen & Gestrüpp.  Im Verlauf eines Jahres fertigte sie hierzu ein Künstlerbuch an, das als „Kaleidoskop aus Texten und Bildern“ bezeichnet werden kann. Es nähert sich dem Leben und Wirken des Philosophen Giordano Bruno aus unterschiedlichsten Perspektiven und spürt verschiedensten Resonanzen nach. Den Ausgangspunkt dieser Spurensuche fand Ulrike Stoltz aber in der HAB: Es war der berühmte Brief, den Bruno am 6. Oktober 1589 in Helmstedt schrieb und den die Bibliothek aufbewahrt.

Am 9. September stellt Ulrike Stoltz im Rahmen der Preisverleihung das fertige Künstlerbuch Caro Giordano. Resonanzen & Gestrüpp zum ersten Mal dem Publikum vor. Die Veranstaltung wird per Livestream übertragen. Zusätzlich gibt es zu dem fertigen Ergebnis, dem Arbeitsprozess der Künstlerin und ihrer Inspiration durch die Werke Giordano Brunos eine kleine Ausstellung im Zeughaus. Mehr Informationen dazu gibt es hier: Caro Giordano – Preisverleihung und Präsentation des Künstlerbuchs – HAB

 

#HAB und Gut


Stipendiat*in: Esther Wipfler || HAB

Die Illustration des evangelischen Gesangbuchs – Voraussetzungen, Gestaltungen und Wirkungen eines unterschätzten Mediums Das Gesangbuch für die Kirchengemeinde hat als protestantische Erfindung eine Geschichte von fast 500 Jahren. Der Bestand der HAB Wolfenbüttel bildet sie zu großen Teilen mit ihren Paradigmenwechseln ab. Im Gegensatz zu Hymnologie und Theologie ist die Gattung noch kaum von kunsthistorischer […]

Stipendiat*in: Christine Göttler || HAB

A golden age of silver. Metal in the imagination of early modern Antwerp. The world of objects, artifacts, and material goods is at the core of this project that investigates the imageries and imaginaries associated with precious metals and materials in seventeenth-century Antwerp. The focus is on works made or designed by Peter Paul Rubens […]