„Das digitale Bild – Die  soziale Dimension, politische Perspektiven und ökonomische Zwänge“ || blog.arthistoricum.net

Das Schwerpunktprogramm „Das digitale Bild“ lädt Sie sehr herzlich zur Teilnahme an der kommenden international ausgerichteten Tagung mit dem Titel „Das digitale Bild – Die  soziale Dimension, politische Perspektiven und ökonomische Zwänge“ vom 28. bis 30. April 2021 ein. 

 

Wie verändern Deep Fakes die Rolle von Repräsentation in digitalen Bildern? Was sagen virtuell generierte Influencer*innen über unser Schönheitsideal aus? Und warum stellen wir uns dauernd die Frage, ob Künstliche Intelligenz kreativ sein kann? Zur Beantwortung dieser und weiterer Fragen konnten wir Wissenschaftler*innen wie die Literaturkritikerin und Posthumanistin Nancy Katherine Hayles, den niederländischen Medienwissenschaftler Geert Lovink, verschiedene Designer*innen, Unternehmer*innen und weitere Expert*innen aus Theorie und Praxis gewinnen. Unter den Stichworten „Die soziale Dimension, politische Perspektiven und ökonomische Zwänge“ diskutieren 17 geladene Gäste gemeinsam mit den Forscher*innen des Schwerpunktprogrammes sowie der Öffentlichkeit Aspekte des Visuellen im Digitalen.

 

Das vollständige Programm samt Abstracts sowie die Möglichkeit, sich zur Tagung anzumelden, finden Sie auf unserer Homepage:

https://www.digitalesbild.gwi.uni-muenchen.de/tagung_april_2021/

 

Die Museumsbibliothek – ein Raum im Wandel der Zeit || blog.arthistoricum.net

von Martin Zangl (LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster)

Seit 1908 gibt es Räume für die museumseigene Büchersammlung des LWL-Museums für Kunst und Kultur. Museumsbibliothekar Martin Zangl nimmt uns mit auf eine Zeitreise zu verschiedenen Stationen seit der Gründung bis in die Gegenwart. Wer mehr wissen möchte, kann eine ausführlichere Fassung als PDF herunter laden!

Am Anfang war die „Pantoffelbibliothek“ – gleich neben dem Direktorenzimmer, mit direkter Zugänglichkeit des Magazins, großen Tischen, Bild- und Textquellen an einem Ort.   

 

Wie Eintrittskarten für das Museumsgebäude aus der Zeit zwischen Oktober 1938 und Frühjahr 1941 zu entnehmen ist, gab es damals einen öffentlichen Lesesaal mit äußerst publikumsfreundlichen Öffnungszeiten: von 9 bis 13 Uhr und 15 bis 22 Uhr.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das zerstörte Gebäude bis 1950 wieder so hergestellt, dass ein Lesesaal in deutlich einfacherer Ausstattung zur Benutzung zur Verfügung stand. Die Ausstattung erinnert an einen Klassenraum und die Bestände wurden magaziniert – die Kathederbibliothek. 

Mit der Eröffnung des neuen Gebäudekomplexes im Jahr 1974 wurde auch ein neuer Bibliothekslesesaal eingerichtet. Ein Ausstellungsraum wurde (zunächst) provisorisch als öffentlicher Lesesaal genutzt. Nichts ist dauerhafter als ein Provisorium: die Bibliothek blieb 34 Jahre an diesem Ort, geriet aber wegen der Platznot, ihrer ungünstigen Lage und der relativ späten Einführung der EDV bei externen Benutzer/innen mehr und mehr in Vergessenheit. Mit der Eröffnung des neuen Gebäudekomplexes im Jahr 1974 wurde auch ein neuer Bibliothekslesesaal eingerichtet. Ein Ausstellungsraum wurde (zunächst) provisorisch als öffentlicher Lesesaal genutzt. Nichts ist dauerhafter als ein Provisorium: die Bibliothek blieb 34 Jahre an diesem Ort, geriet aber wegen der Platznot, ihrer ungünstigen Lage und der relativ späten Einführung der EDV bei externen Benutzer/innen mehr und mehr in Vergessenheit.

Während der Abriss- und Neubauphase des Museums zwischen 2008 und 2014 war die Bibliothek komplett ausgelagert und auf verschiedene Standorte verteilt. Die Nutzung der Bestände war nur intern möglich und wurde vor allem für die Planung der neuen Dauerausstellung und die Erarbeitung der Publikationen zur Neueröffnung genutzt.

Mit der Neueröffnung des Museums im September 2014 hat die Museumsbibliothek eine direkte Anbindung an das zentrale Foyer und ist viel sichtbarer in der Öffentlichkeit. Auch die Ausstattung wurde modernisiert und dem veränderten Nutzerverhalten angepasst. Die Bibliothek bietet nun umfangreiche Recherchemöglichkeiten, die nicht nur vor Ort, sondern auch von zu Hause aus über den OPAC genutzt werden können: über oder über den Link auf der Webseite des Museums.

Virtuelle Ausstellung – Scientists 2010-2021. Portraits of Fellows of the Royal Society – Porträtfotografien von Anne-Katrin Purkiss || blog.arthistoricum.net

Die gebürtige Chemnitzerin Anne-Katrin Purkiss lebt und arbeitet seit 1984 als freie Fotografin in Großbritannien. Ihre Arbeiten wurden in britischen und internationalen Zeitungen wie The Guardian, der New York Times, Die Zeit und Nature veröffentlicht und waren bislang in England, Deutschland, und der Schweiz in Einzelausstellungen zu sehen. Purkiss Werke befinden sich zudem in den Sammlungen der National Portrait Gallery, der Royal Academy Library und National Art Library sowie im Archiv der Royal Society, dem Tate Archive und dem Henry Moore Institute, Leeds.

 

Neben Kunst und Natur bilden Porträts einen Schwerpunkt innerhalb des Werkes der Fotografin. Abseits ihrer Auftragsarbeiten ist sie stets auch auf der Suche nach der Begegnung mit Menschen, die sie inspirieren und ihr neue Blickwinkel eröffnen. Seit mehr als dreißig Jahren porträtiert Purkiss durch das Objektiv ihrer Kamera aber vor allem erfolgreiche Künstler*innen und Wissenschaftler*innen, die mit ihrer Arbeit und Kreativität inspirieren und deren Forschungen neue Wege eröffnen. Dabei legt Purkiss in ihren Arbeiten ein besonderes Augenmerk auf die Kontextualisierung von Mensch und Umgebung, indem sie das direkte Arbeitsumfeld der Porträtierten in hohem Maße mit einbezieht. Durch die Wiedergabe der Porträtierten an ihrem jeweiligen Arbeitsplatz, der räumlichen und inspirierenden Quelle ihres schöpferischen Wirkens, generieren Purkiss Arbeiten eine über die physiognomische und emotionale Charakterisierung hinausgehende erweiterte Bezugs- und Deutungsebene und bilden zugleich gesellschaftliche Prozesse ab. 

All rights reserved © Anne-Katrin Purkiss/The Royal Society 2021
All rights reserved © Anne-Katrin Purkiss/The Royal Society 2021

Die in der virtuellen Ausstellung Scientists 2010-2021: Portraits of Fellows of the Royal Society gezeigten Porträts stellen Auszüge aus einem noch laufenden Langzeitprojekt dar, in welchem Purkiss bislang über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten hinweg Fellows der Royal Society in ihrem Arbeitsumfeld fotografierte. Die aktuelle digitale Ausstellung wurde von der Fotografin mit Unterstützung von Katherine Marshall und Ellen Embleton (The Royal Society) kuratiert. Sie schließt an eine vorangegangene Ausstellung von 2010/11 an und zeigt 29 aktuelle Bilder aus der mittlerweile über 100 Porträts umfassenden Sammlung. 

All rights reserved © Anne-Katrin Purkiss/The Royal Society 2021
All rights reserved © Anne-Katrin Purkiss/The Royal Society 2021

Das Projekt zeigt nicht nur den Wandel der äußeren Rahmenbedingungen wie Gebäude, Geräte und Arbeitsräume auf, sondern lässt auch die veränderten sozialen Räume und Geschlechterverhältnisse hervortreten. So zeigen die Fotos der aktuellen Ausstellung, die alle seit 2010 aufgenommen wurden, einen deutlich gestiegenen Frauenanteil innerhalb der Fellows.

Link zur Ausstellung:
https://artsandculture.google.com/exhibit/fellows-of-the-royal-society-2010-2021/YQJC8Galthk4IA

Einblick in die bislang von Purkiss zwischen 1985 und 2020 angefertigte Porträtserie gibt zudem ein Online-Katalog:

https://issuu.com/anne.purkiss/docs/scientistsportraits19852020photographsbyannekatrin

Weitere Information zu den Arbeiten und laufenden Projekten von Anne-Katrin Purkiss finden sich auf ihrer Website: 
http://www.purkiss-images.eu/

Auktionskataloge als kunsthistorische Quelle für Druckgraphik || blog.arthistoricum.net

Die Universitätsbibliothek Heidelberg hat über 10 000 Auktionskataloge in ihrem Bestand, die sie unter anderem im Zuge von Projekten digital bereitstellt. Nicht selten sind Exemplare handschriftlich mit informativen Notizen, wie Preisen oder gar den Namen von Käufern versehen. Ursprünglich dienten diese Annotationen HändlerInnen und SammlerInnen dafür, den aktuellen Wert eines Kunstwerks auf dem Markt einschätzen und die eigenen Gebote in späteren Auktionen anpassen zu können.

Bitte um Mitwirkung bei der Befragung „Migration und Vielfalt in Museen“ || blog.arthistoricum.net

Weitergeleitet von Dieter Osses, Arbeitskreis Migration im Deutschen Museumsbund

Kultureinrichtungen sind  mit verschiedenen Formen des demographischen Wandels konfrontiert. Darin spielen die zunehmende Vielfalt der familiären Hintergründe bei jungen Menschen, aber auch die Alterung der Gesellschaft eine zentrale Rolle. Andererseits wirken auch die gesellschaftlichen Debatten um Migration und Vielfalt in die Kultureinrichtungen hinein.

Die Befragung soll einer Bestandsaufnahme dienen, inwieweit und in welcher Form die Themen Flucht, Migration und Diversität als Thema in den Museen in Deutschland präsent sind und die Arbeit in den letzten Jahren verändert haben. Die Ergebnisse der Umfrage sollen dazu dienen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesem Thema zu gewinnen, die bisher kaum vorliegen.

Die Befragung ist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts „KultMIX - Kulturproduktion in der Migrationsgesellschaft“ an der Universität Osnabrück und richtet sich an alle Museen in Deutschland (es gibt parallele Befragungen auch der Kulturämter und der öffentlichen Theater). Kooperationspartner für diese Befragung ist der Arbeitskreis Migration im Deutschen Museumsbund. Ein zentrales Ziel der Befragung ist es, aus den Ergebnissen relevante Empfehlungen für die Museumspraxis und die Kulturpolitik zu formulieren.

Die Umfrage läuft bis zum 1. April und ist über diesen Link zu erreichen! Herzlichen Dank für  Ihre Unterstützung!

Kontakt und Projektkoordinator: Dr. Jens Schneider, Institut für Migrationsforschung interkulturelle Studien an der Universität Osnabrück

 

 

Symposium – Kosmos Kiefer: Material, Begriffe, Rezeption || blog.arthistoricum.net

Symposium - Kosmos Kiefer: Material, Begriffe, Rezeption
Freitag, 12.03.21, 10-15 Uhr (Online dt.-engl.)

 

Beitrag von Sebastian Baden


Anselm Kiefer (*1945) ist einer der bekanntesten deutschen Künstler der Nachkriegszeit. Sein umfangreiches und vielschichtiges Werk setzt sich mit der deutschen Geschichte, der Verbindung von jüdischer und christlicher Tradition und den Medien der Erinnerungskultur auseinander. Die Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ in der Kunsthalle Mannheim zeigt Werke aus der Sammlung Grothe, die mehr als 30 Jahre künstlerisches Schaffen repräsentieren. Zu den typischen Werkstoffen des international renommierten Künstlers zählen neben Ölfarbe und Schellack die Materialien Asche, Blei, Beton, Pflanzen und Kunstharz. Die zumeist großformatigen Gemälde und Skulpturen zeigen Kiefers intensive Auseinandersetzung mit existenziellen Fragestellungen, menschlichen Katastrophen und der Möglichkeit der Versöhnung.

 

Im Rahmen der Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim wird das Symposium Anselm Kiefers Werk aus der Perspektive der jüngsten Forschung beleuchten. Neben der Präsentation der Werke soll die transdisziplinäre Arbeit vergleichender und kritischer Studien aus den Bereichen der Kunstgeschichte, Literatur- und Kulturwissenschaft, Geschichts- und Politikwissenschaft, Erinnerungskultur, Theologie oder Kunstpädagogik vorgestellt werden. Mittels eines Open Calls konnten sowohl etablierte als auch Nachwuchswissenschaftler*innen ausgewählt werden, die somit einen Beitrag zur aktuellen und internationalen Rezeptionsgeschichte von Anselm Kiefer leisten.

 

 

Programm:

 

9:45 Uhr  Einloggen & Rezeption

 

10:00 Uhr  Begrüßung: Johan Holten, Direktor der Kunsthalle Mannheim, Dr. Sebastian Baden, Kurator der Ausstellung „Anselm Kiefer“, Dörte Ilsabe Dennemann, Programmkuratorin

 

10:15 Uhr  „Untergehen, das heißt: zum Höchsten aufsteigen“ Fragmente geladener Vergangenheit im Werk von Anselm Kiefer und Tadeusz Kantor. Dr. Klaus Dermutz

 

10:45 Uhr  Mud, ashes and cosmos: Anselm Kiefer’s books and the monumental. Dr. Isabelle Le Pape Head of Art Department, Bibliothèque nationale de France, Paris

 

11:15 Uhr  Anselm Kiefer. Material, Begriffe, Rezeption. Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Andreas Beyer, Universität Basel, Prof. Dr. Klaus Gallwitz, Karlsruhe, ehem. Direktor des Städelschen Kunstinstituts Frankfurt am Main, Dr. Esther Graf, Judaistin, Mitinhaberin der Agentur für jüdische Kultur und Mitglied des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Mannheim sowie Dr. Harriet Häußler, freie Kunsthistorikerin, Berlin

 

12:15 Uhr  Pause

 

13:00 Uhr  Résurrection à La Tourette − Bildtheologische Perspektiven. Dr. Kristin Riepenhoff & Carolin Hemsing M. A., Katholisch-Theologische Fakultät, Arbeitsstelle für Christliche Bildtheorie, Theologische Ästhetik und Bilddidaktik Westfälische Wilhelms-Universität Münster.

 

13:30 Uhr  On artistic interpretation of literary heritage: the case of the exhibition “Anselm Kiefer – for Velimir Chlebnikov”. Nina Danilova, PhD Candidate in Culture Studies, The Lisbon Consortium / The Catholic University of Portugal, Lisbon

 

14:00 Uhr  „So much history!“ Zum Kiefer-Hype in den USA anlässlich der Ausstellungstournee 1987/88 (Arbeitstitel). Prof. Dr. Hans Dickel (Erlangen/Berlin)

 

14:30 Uhr  Ende und Ausblick

 

Die Ausstellung und das Begleitprogramm werden gefördert von Stiftung Kunsthalle Mannheim, Hector-Stiftungen, Verein 321-2021:1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland e.V. und dem Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat.

 

Kurator der Ausstellung: Dr. Sebastian Baden

Programmkuratorin: Dörte Dennemann

Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
68165 Mannheim

 

kuma.art

Link zum Symposium: https://shop.kuma.art/#/product/event/274 

Umstrukturierung im V & A Museum London – als Folge der Covid-19-Pandemie || blog.arthistoricum.net

von Margret Schild (Theatermuseum Düsseldorf)

 

Im Jahr 2003 hat die UNESCO-Generalkonferenz das Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes verabschiedet, das im Frühjahr 2006 nach der Ratifizierung durch 30 Staaten in Kraft trat. Inzwischen sind 178 Staaten beigetreten und über 500 kulturelle Ausdrucksformen, Traditionen und Branchen eingetragen.  Tanz, Theater und Musik gehören dazu – sowohl im deutschsprachigen Raum als auch weltweit ist die Zahl der Museen, Sammlungen, Archive und Dokumentationszentren zu den darstellenden Künsten überschaubar:  das Deutsche Bühnenjahrbuch 2020 weist 42 Einrichtungen im deutschsprachigen Raum nach, die TheSiD (Theatersammlungen in Deutschland) hat 27 korporative und die internationale Vereinigung SIBMAS (Société internationale des bibliothèques, des musées, archives et centres de documentation des arts du spectacle) knapp 100 Mitglieder.

Bühneneingang Londonder Theatermuseum
Bühneneingang des ehemaligen Londoner Theatermuseums. Foto: Andy Roberts from East London, England, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons

Das Victoria & Albert Museum (V & A) wurde 1852 als South Kensington Museum gegründet und beherbergt die größte Sammlung von Kunstgewerbe und Design der Welt. Das britische Theatermuseum wurde als Abteilung des V & A 1974 in Covent Garden eröffnet. Dessen Bestand umfasst Objekte zur Geschichte der darstellenden Künste in Britannien seit dem 16. Jahrhundert mit all ihren Sparten und gilt als  größte Sammlung zu diesem Thema weltweit. Kostüme, Bühnenbild- und Kostümentwürfe, Manuskripte, Literatur, Videoaufnahmen, Plakate und Gemälde rekonstruieren vergangene und zeitgenössische Produktionen sowie die Biografien der Personen, die in diesem Metier tätig waren und sind. Das Museum wurde 2006 aus finanziellen Gründen geschlossen, kehrte 2007 als Abteilung Theatre Collection in die Räumlichkeiten des V & A zurück und beteiligte sich danach aktiv  an den dortigen  Ausstellungen. Ab März 2009 wurde ein Ausstellungsbereich im V & A  eingerichtet (Theatre & Performance Department). Objekte aus der Sammlung werden für Wanderausstellungen sowie im Rahmen der Ausleihe  weltweit zur Verfügung gestellt.

National Art Library im V & A. Photo: Andreas Praefcke, Public domain, via Wikimedia Commons
National Art Library im V & A. Photo: Andreas Praefcke, Public domain, via Wikimedia Commons

Bedingt durch die Pandemie gingen die Besucherzahlen im V & A um 85 % zurück. Da diese nicht so schnell wieder das alte Niveau erreichen werden, muss das Museum erhebliche finanzielle Verluste ausgleichen. Im September 2020 wurden die Verantwortlichen beauftragt, die Summe von 10 Millionen Britische Pfund jährlich einzusparen und haben ein Strategiepapier vorgelegt. Im letzten Schritt dieses mehrstufigen Prozess sollen die bisherigen komplexen und historisch gewachsenen Strukturen reformiert werden. In Zukunft soll die Aufteilung  in Sammlungen (Mode, Theater & Darstellende Künste, Architektur, etc.) zugunsten von multidisziplinären Teams aufgelöst werden. Fachliche Kompetenzen aus den Bereichen Kunst, Design, Mode und darstellende Kunst sollen zusammengeführt, andere Bereiche (Medienkunst und –design, Architektur und Städteplanung) ausgebaut werden. Auch die eigene Forschungsabteilung, die nationale Kunstbibliothek und die Archive des V &A sollen zentralisiert werden.

Die SIBMAS betrachtet diese Entwicklung in Hinblick auf die Abteilung Theater & Darstellende Künste mit Besorgnis: sie setzt sich nicht nur für die Sicherung der Stellen und die Weiterbeschäftigung des spezialisierten, engagierten Personals in diesen unsicheren Zeiten ein, sondern möchte auch die dauerhafte Zugänglichkeit zu diesem weltweit einzigartigen Archiv in Zukunft sichergestellt wissen. Die für vom SIBMAS-Präsidenten Alan Jones initiierte Petition wurde innerhalb von wenigen Tagen [Stand: 8. März 2021) von mehr als 10.000  Personen unterschrieben.  

Ein Einstieg: Kopf-Gesicht-Antlitz-Icon-Abbild-Konterfei-Bildnis-Porträt-Selfie || blog.arthistoricum.net

Die visuelle Selbstdarstellung im Porträt gehört zu den grundlegendsten künstlerischen Ausdrucksformen der Menschheit – unabhängig von Geschlecht, Sozialisation oder Kultur und unabhängig von den sich wandelnden Paradigmen wie Realismus, Naturtreue und Ähnlichkeit. Ihre Präsenz hat im Zeitalter von Social Media einen Höhepunkt erreicht, der zugleich zur Reflexion über die anhaltende Wirkmacht nachdenken lässt und zur Auseinandersetzung anregt.

 

In den vergangenen Monaten sind wir wie kaum zuvor in den sozialen Netzwerken, beim Homeschooling und im Home-Office, in virtuellen Meetings und Konferenzen mit unserem eigenen Gesicht und den Gesichtern unserer Mitmenschen in einer künstlich inszenierten Form konfrontiert worden. Als Icon gerahmt, treffen wir im virtuellen Raum aufeinander, um miteinander zu kommunizieren. Kaum jemand, der sich dabei wohl keine Gedanken gemacht hat, wie er/sie sich am vorteilhaftesten positioniert, ausleuchtet und inszeniert, welche Hintergründe zu wählen sind, die genau das richtige Maß an Information und positiver (Selbst)Darstellung bieten, ohne dabei Peinliches oder Unerwünschtes preiszugeben.

 

Damit unterscheiden wir uns kaum von unseren Vorfahren, die insbesondere in Zeiten der Illiteralität auf die visuelle Wirkmacht der Porträtkunst setzten. Als Prestige- und Propagandamedium unterliegen Porträts bis heute einer gezielten Inszenierung und Instrumentalisierung und beinhalten eine spezifische Zeichensprache, die eingeweihten Zeitgenossen vertraut, für nachfolgende Generationen jedoch oftmals verschlüsselt bleibt. Stets wurden sie über die zur Verfügung stehenden medialen Kanäle verbreitet und popularisiert. Als individuelle künstlerische Annäherungen können sie zu psychologisierenden Spiegelbildern werden, die ebenso einfühlsame wie schonungslose Einblicke in menschliche Charaktere liefern.

 

Als Kunsthistorikerin, die sich seit Jahrzehnten der Faszination des Mediums Porträt verschrieben hat, möchte ich dieses Blog nutzen, um in lockerer Folge Informationen zur Porträtforschung quer durch alle Medien und Jahrhunderte zu teilen – über Ausstellungen, physische und virtuelle Sammlungen, Publikationen, Online-Ressourcen, Konferenzen und Netzwerke. Über Anregungen, Kommentare und Hinweise würde ich mich sehr freuen!