Symposium: Anselm Kiefer. Material, Begriffe, Rezeption (Call for Paper) || blog.arthistoricum.net

Ein Beitrag von Dr. Sebastian Baden

 

Call for Papers
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Symposium: Anselm Kiefer. Material, Begriffe, Rezeption
(12. März 2021; Deadline 31. Januar 2021)

Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ in der Kunsthalle Mannheim bis 06.06.2021

 

Anselm Kiefer (*1945) ist einer der bekanntesten deutschen Künstler der Nachkriegszeit. Sein umfangreiches und vielschichtiges Werk setzt sich mit der deutschen Geschichte, der Verbindung von jüdischer und christlicher Tradition und den Medien der Erinnerungskultur auseinander. Die Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ in der Kunsthalle Mannheim zeigt Werke aus der Sammlung Grothe, die mehr als 30 Jahre künstlerisches Schaffen repräsentieren. Zu den typischen Werkstoffen des international renommierten Künstlers zählen neben Ölfarbe und Schellack die Materialien Asche, Blei, Beton, Pflanzen und Kunstharz. Die zumeist großformatigen Gemälde und Skulpturen sind in ihrer Dimension und ihrer haptischen Materialität auf Überwältigungseffekte angelegt. Die Ausstellung zeigt neben dem zentralen Frühwerk „Volkszählung“ von 1987-89 rund 17 Arbeiten aus mehr als drei Jahrzehnten wie „Die große Fracht“ (1981/1996), „Frauen der Antike“ (2002), „Palmsonntag“ (2007), oder „Der verlorene Buchstabe“ (2011-2017).

 

Konzept des Symposiums (12.3.2021)
Anselm Kiefer hat für die Gesellschaft und ihre Individuen existenzielle Themen aufgegriffen. Nach seiner intensiven Auseinandersetzung mit der deutschen Nachkriegsgeschichte im Frühwerk entstanden in den letzten Jahrzehnten seit der Übersiedelung nach Frankreich Arbeiten zur Verbindung von jüdischer und christlicher Kultur. Der Künstler zeigt darin sein Interesse an den unterschiedlichen Weltreligionen, der Mystik sowie den Erkenntnissen der Naturwissenschaften. Kiefers Arbeiten sind zeitgenössische Historienbilder, die Geschichte kritisch reflektieren und mit ihrer Ästhetik eine emotionale Wirkung erzielen.

 

Das Werk von Anselm Kiefer wurde in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt und von umfangreichen Katalogen begleitet. Verschiedene Publikationen und Monographien widmen sich fokussiert wichtigen Themen im Werk des Künstlers und zeigen die Geschichte der Ateliers, die als künstlerisch umgestaltete Landschaften wie Gesamtkunstwerke erscheinen. Einzelne kunstwissenschaftliche Qualifikationsarbeiten haben Kiefers Werk in unterschiedlichen Kontexten mit anderen zeitgenössischen künstlerischen Positionen verglichen. Die Kunstkritik wiederum hat Beiträge zur öffentlichen Diskussion um die Ästhetik und thematischen Inhalte in den Arbeiten von Anselm Kiefer geleistet. Für sein Werk wurde Anselm Kiefer mehrfach ausgezeichnet und sogar mit Aufträgen für den Louvre oder das Panthéon bedacht.

 

Im Rahmen der Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim soll das Symposium Anselm Kiefers Werk aus der Perspektive der jüngsten Forschung beleuchten. Neben der Präsentation der Werke soll die transdisziplinäre Arbeit vergleichender und kritischer Studien aus den Bereichen der Kunstgeschichte, Literatur- und Kulturwissenschaft, Geschichts- und Politikwissenschaft, Erinnerungskultur, Theologie oder Kunstpädagogik vorgestellt werden. Die ausgewählten Referent*innen des Symposiums und die Diskussionen mit dem Publikum sollen einen Beitrag zur aktuellen und internationalen Rezeptionsgeschichte von Anselm Kiefer leisten.
Der Aufruf richtet sich sowohl an etablierte als auch Nachwuchswissenschaftler*innen; gefragt sind Einreichungen aus Qualifikationsschriften, laufenden Forschungsprojekten oder kunstkritische Essays, die nicht länger als fünf Jahre zurückliegen. Das Themenfeld orientiert sich an den ausgestellten Arbeiten und kann folgende Kontexte berücksichtigen:

 

  • Anselm Kiefers Werk im Kontext der Nachkriegszeit und Gedenkkultur
  • Diskurs und Kritik am Werk in der Kunstgeschichte der Gegenwart
  • Die deutsch-französische Perspektive auf die politische Rolle des Künstlers Anselm Kiefer
  • Lyrik und Schrift auf Bildern und Skulpturen
  • Kosmologie und Astronomie zwischen Renaissance und NASA
  • Weltkulturen
  • Genderstudies
  • Jüdische Mystik und Kabbala neu entdeckt
  • Christliche Ikonografie im Wandel
  • Künstlerbücher und Wissenstransfer
  • Kiefers Werk in der Kunstvermittlung und Kunstpädagogik
  • Weitere Vorschläge sind möglich

 

Das Symposium wird von einer Podiumsdiskussion eröffnet.

Teilnehmer*innen des Podiums sind:

  • Prof. Dr. Andreas Beyer, Universität Basel, Kunsthistorisches Seminar, Sprecher Forschungsverbund Bilderfahrzeuge
  • Prof. Dr. Klaus Gallwitz, Karlsruhe, ehem. Direktor des Städelschen Kunstinstituts Frankfurt am Main, hat 1980 Werke von Anselm Kiefer im Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig gezeigt
  • Dr. Esther Graf, Vorstand der jüdischen Gemeinde Mannheim, wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Schwerpunkt Kunstgeschichte am Zentrum für jüdische Studien Heidelberg
  • Dr. Harriet Häußler, freie Kunsthistorikerin, Berlin, 2000-2003 Atelierassistenz bei Anselm Kiefer, Promotion über Anselm Kiefers Werkgruppe „Himmelspaläste“

 

Die Beiträge sollen in Präsentationen von max. 20 Minuten vorgestellt werden. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Aufgrund der derzeitigen Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie wird die Veranstaltung hybrid angelegt und perOnline Streaming übertragen. Vorträge können über eine vom Veranstalter eingerichtete Videochat-Plattform online verfolgt werden.

 

Abgabefrist für die Einreichung der Vorschläge: 31. Januar 2020. Bitte um Abstracts per E-Mail mit max. 2.000 Zeichen und Angaben zum CV. Eine Auswahl der Beiträge erfolgt bis 4. Februar 2020. Kontakt: sebastian.baden@mannheim.de

 

Die Kunsthalle übernimmt die Kosten für die Unterkunft der Referent*innen. Reisekosten können nach vorheriger Absprache bezuschusst werden.

 

Die Ausstellung und das Begleitprogramm werden gefördert von Stiftung Kunsthalle Mannheim, Hector-Stiftungen, Verein 321-2021:1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland e.V. und dem Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat.

 

Kurator der Ausstellung: Dr. Sebastian Baden
Programmkuratorin: Dörte Dennemann
Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
68165 Mannheim
kuma.art

 

Call for Papers: Symposium: Anselm Kiefer. Material, Begriffe, Rezeption
(12. März 2021; Deadline 31. Januar 2021)
Kontakt: sebastian.baden@mannheim.de

 

 

Call for Papers (ENGLISH VERSION)

 

Symposium: Anselm Kiefer. Materials, Themes, Reception (March 12, 2021; Deadline January 31, 2021)
Special exhibition "Anselm Kiefer" at the Kunsthalle Mannheim
Through 06.06.2021

 

Anselm Kiefer (*1945) is one of the best-known German artists of the post-war period. His extensive and multi layered work deals with German history, the connection between Jewish and Christian tradition and the media of memory culture. The special exhibition "Anselm Kiefer" at the Kunsthalle Mannheim shows works from the Grothe Collection representing more than 30 years of artistic creation. In addition to oil paint and shellac, the internationally renowned artist's typical materials include ash, lead, concrete, plants and synthetic resin. The mostly large-format paintings and sculptures are designed for overwhelming effects in their dimension and haptic materiality.
Starting from the central early work "Census" from 1987-89, the exhibition shows around 17 works from more than three decades, such as "The Great Cargo" (1981/1996), "Women of Antiquity" (2002), "Palm Sunday" (2007), or "The Lost Letter" (2011-2017).

 

Concept of the Symposium (12.3.2021)
Anselm Kiefer has taken up existential themes for society and its individuals. After his intensive examination of German post-war history in his early work, he has produced works on the connection between Jewish and Christian culture in recent decades since moving to France. In them, the artist shows his interest in the various world religions, mysticism, and the findings of the natural sciences. Kiefer's works are contemporary history paintings that critically reflect on history and achieve an emotional effect with their aesthetics.

 

Anselm Kiefer's work has been shown in numerous international exhibitions and was accompanied by extensive catalogues. Various publications and monographs focus on important themes in the artist's oeuvre or show the history of the studios, which appear as artistically shaped landscapes transformed into total works of art. Individual art history studies compared Kiefer's work in various contexts with other contemporary artistic positions. Art criticism, in turn, has provided a public discussion of the aesthetics and thematic content in Anselm Kiefer's works. Anselm Kiefer has received numerous awards and has even been commissioned to create new works for the Louvre or the Panthéon.

 

In the context of the special exhibition at the Kunsthalle Mannheim, the symposium will illuminate Anselm Kiefer's work from the perspective of recent research. In addition to the presentation of the works, the transdisciplinary research of comparative and critical studies from the fields of art history, literature and cultural studies, history and political science, memory culture, theology or art education will be presented. The selected speakers of the symposium and the discussions with the audience should contribute to the current and recent international reception of Anselm Kiefer. The call is addressed to both established and emerging scholars; submissions from qualifying papers, ongoing research projects, or essays on art criticism that date back no more than five years are invited. The proposal may focus on the exhibited works or may consider the following contexts:

 

  • Anselm Kiefer's work in the context of the postwar period and commemorative culture.
  • Discourse and criticism of the work in contemporary art history
  • The German-French perspective on the political role of the artist Anselm Kiefer
  • Poetry and writing in Kiefer’s paintings and sculptures
  • Cosmology and astronomy between Renaissance and NASA
  • World Culture Studies
  • Gender Studies
  • Jewish mysticism and Kabbalah rediscovered
  • Christian Iconography in Transition
  • Artists' books and knowledge transfer
  • Kiefer's work in art education and art pedagogy
  • Further proposals are possible

 

The symposium will be inaugurated by a panel discussion.

Participants of the panel are:

  • Prof. Dr. Andreas Beyer, University of Basel, Department of Art History, Chair of the research network Bilderfahrzeuge.
  • Prof. Dr. Klaus Gallwitz, Karlsruhe, former director of the Städelsches Kunstinstitut Frankfurt am Main, curator of works by Anselm Kiefer in the German Pavilion at the Venice Biennale in 1980.
  • Dr. Esther Graf, member of the board of the Jewish community of Mannheim, academic researcher in art history at the Center for Jewish Studies in Heidelberg
  • Dr. Harriet Häußler, freelance art historian, Berlin, 2000-2003 studio assistant to Anselm Kiefer, PhD thesis on Anselm Kiefer's "Himmelspaläste" (Heavenly Palaces)

 

The proposed presentations should not extend 20 minutes. Conference languages are German and English. Due to the current measures to contain the Covid-19 pandemic, the event will be hybrid and streamed online. Presentations can be accessed online via a video chat platform set up by the organizer.

 

Deadline for proposal submission: January 31, 2020.
Please submit abstracts by email with a maximum of 2,000 characters and CV details. A selection of papers will be made by February 4, 2020. Contact: sebastian.baden@mannheim.de

 

The Kunsthalle will cover the costs of accommodation for the speakers. Travel costs can be subsidized by prior arrangement.

 

The exhibition and the program are sponsored by Stiftung Kunsthalle Mannheim, Hector-Stiftungen, Verein 321-2021:1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland e.V., and the Federal Ministry of the Interior, Building and Community.

 

Curator of the exhibition: Dr. Sebastian Baden
Program curator: Dörte Dennemann
Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
68165 Mannheim
kuma.art

Save the date: virtuelle Tagung „Digitale Erfahrungen und Strategien in der Kunstgeschichte nach einem Jahr Corona-Pandemie“ 26.-27. März 2021 || blog.arthistoricum.net

Digitale Erfahrungen und Strategien in der Kunstgeschichte nach einem Jahr Corona-Pandemie

#vKG2021

Tagung (Zoom/Miro), 26. – 27. März 2021

Das kunsthistorische Arbeiten unter Pandemie-Bedingungen hat das Verhältnis des Fachs zur Digitalität tiefgreifend verändert – bestehende Entwicklungen beschleunigt, Potentiale freigesetzt, aber auch Brüche und Defizite aufgezeigt.

Die gemeinsame Tagung des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e.V., des Ulmer Vereins und des Arbeitskreises Digitale Kunstgeschichte sucht ein Jahr nach der ersten pandemiebedingten Schließung der Museen, Universitäten und Forschungsinstitute den Erfahrungsaustausch, lädt zur Reflexion ein und möchte vorhandene und noch zu entwickelnde Strategien diskutieren.

Programm und weitere Informationen folgen.

 

Curatorial Studies – Statements: Neue Essaysammlung als Open-Access-Veröffentlichungen auf ART-Dok || blog.arthistoricum.net

Curatorial Studies - Statements / Cover
Curatorial Studies - Statements / Cover

Ein Beitrag von Dr. Stefanie Heraeus

 

Curatorial Studies – Statements ist eine Essaysammlung des 2010 gegründeten Frankfurter Masterstudiengangs Curatorial Studies, der von der GOETHE-UNIVERSITÄT und der HOCHSCHULE FÜR BILDENDE KÜNSTE–STÄDELSCHULE durchgeführt wird, in Kooperation mit der HOCHSCHULE FÜR GESTALTUNG OFFENBACH und mehreren Frankfurter Museen: MUSEUM MMK FÜR MODERNE KUNST, STÄDEL MUSEUM, LIEBIEGHAUS SKULPTURENSAMMLUNG, HISTORISCHES MUSEUM FRANKFURT, WELTKULTUREN MUSEUM und PORTIKUS.

 

Die Essaysammlung wurde auf ART-Dok, dem Volltextserver von arthistoricum.net online im Open Access veröffentlicht. ART-Dok - Publikationsplattform für Kunst- und Bildwissenschaften wird von der Universitätsbibliothek Heidelberg im Rahmen ihres von der DFG geförderten "Fachinformationsdienst Kunst-Fotografie-Design" bereitgestellt.

ART-Dok: Publikationsplattform für Kunst- und Bildwissenschaften
ART-Dok: Publikationsplattform für Kunst- und Bildwissenschaften

Zum Auftakt der Reihe Curatorial Studies – Statements erscheinen 15 Essays. Sie zeugen vom breiten Spektrum kuratorischer Diskussionen und Forschungen und spiegeln zugleich die Struktur des Studiengangs: Wissenschaft, künstlerische Praxis – sowohl gegenwärtige als auch historische – sowie deren Vermittlung und Ausstellung werden aufeinander bezogen und theoretisch-kritisch reflektiert. Durch die institutionalisierte Verflechtung von Universität, Kunsthochschule und Museum treffen unterschiedliche Diskussionskulturen aufeinander und verbinden diese Perspektiven.

 

Einige Essays gehören zum direkten Forschungsfeld der Curatorial Studies, wenn es etwa um institutionskritische Handlungsspielräume von Kunstvereinen oder um die Instrumentalisierung des White Cube geht. Nadine Droste diskutiert, im Rückgriff auf die letzten 50 Jahre, in ihrem Essay „Der Kunstverein als Institution der Kritik“ die heutigen Bedingungen und Möglichkeiten einer kritischen institutionellen Praxis dieser ursprünglich bürgerlichen Einrichtung. Maximilian Wahlich legt in seinem Essay „Die weiße Zelle des Faschismus“ dar, wie das Raumkonzept der weißen Wand in den Propagandaausstellungen der Nationalsozialisten zur Konditionierung von Exponaten und Menschen genutzt wurde. Viele Fragestellungen sind aus Arbeitserfahrungen in Museums- und Ausstellungsinstitutionen hervorgegangen, manche aus konkreten Projekten wie Caroline Schäfers Essay zur bislang kaum erforschten „Porträtsammlung Grohte im Historischen Museum Frankfurt“. Schäfer war beteiligt an der mehrsemestrig erarbeiteten Ausstellung „Die Welt im Bildnis. Porträts, Sammler und Sammlungen in Frankfurt von der Renaissance bis zur Aufklärung“ (2020 im MUSEUM GIERSCH der GOETHE-UNIVERSITÄT).

 

Häufig sind es konkrete Ausstellungsinstallationen, mitunter von den Künstler*innen mitkuratiert, die den Ausgangspunkt der theoretischen Überlegungen bilden und Aufschluss geben über künstlerische Konzeptionen und Vorgehensweisen. Im Fokus von Katrina Weissenborns Essay „Art and Objecthood: Studien zu Cady Noland“ stehen zwei Installationen der Ausstellung im MUSEUM MMK FÜR MODERNE KUNST. An diesen legt sie dar, wie die Künstlerin durch die Platzierungen ihrer Arbeiten die Wahrnehmung der Betrachtenden subtil lenkt und so den kunsttheoretischen Überlegungen Michael Frieds zur Minimal Art widerspricht. Ramona Heinlein befasst sich in ihrem Essay „Unterwegs zur Zeichnung – Über die Installation das (to Inger Christensen) von Silvia Bächli“ mit dem Beitrag der Künstlerin zu Venedig-Biennale 2009 im SCHWEIZER PAVILLON. Durch die akribische Positionierung ihrer Papierarbeiten überführt Bächli die subjektive Geste der Handzeichnung in den Raum und lässt ein Zeichnungsgefüge wechselnder Perspektiven und Rezeptionsmodi entstehen.

 

Mit „Expansion in die Trägermedien. Bestimmung der konzeptuellen Verfahren im Werk von Christopher Williams“ macht Sebastian Schneider anschaulich, dass sich die konzeptuellen Aspekte dieser handwerklich perfekten Fotografien präziser fassen lassen, wenn man die Bereiche von Produktion, Herstellung und Distribution als zentralen Teil seiner Konzeptkunst interpretiert. Marina Rüdiger befasst sich in ihrem Essay „Die Narrative des Sockels in der zeitgenössischen Kunst“ (Link folgt in Kürze) mit den installativen und multimedialen Arbeiten von Shahryar Nashat am Beispiel von dessen Einzelausstellung 2016 im PORTIKUS. Damit rückt sie ein Ausstellungsmöbel in den Mittelpunkt, das zumeist Teil der Inszenierung, selten jedoch zentrales Thema ist. Benedikt Seerieders Essay „Vom Begehren nach Individualität. Inszenierungen des (Un)Persönlichen bei Christian Boltanski und Henrik Olesen“ stellt heraus, wie die beiden Künstler Formen des Exponierens für ihre Arbeiten nutzen: Die von ihnen im Ausstellungsraum präsentierten Artefakte, die an die Stelle von bestimmten Individuen treten, erzeugen durch ihre spezifischen Anordnungen ambivalente Rezeptionserfahrungen.

 

Andere Essays rücken künstlerische Positionen und Problemstellungen ins Zentrum, die aktuelle Diskurse aufgreifen zu den Themenfeldern Queer, Körper, Gender und Environment. José B. Segebres Essay „Shaking Laughter Out: Jack Smith’s Decomposing Creatures” (Link folgt in Kürze) führt Lachen als Kategorie und formales Verfahren für die Filmanalyse des queeren Kultklassikers Flaming Creatures (1962–1963) von Jack Smith ein unter Einbeziehung von George Batailles Schriften.

 

Franziska Linhardts Essay „Gesten der Berührung, Zonen des Transfers – Josephine Prydes Hands (Für mich)“ befasst sich mit der 2014 bis 2016 entstandenen Fotoserie. Linhardt legt dar, wie sich in dieser Serie zugleich die Faszination für Entkörperlichung, Mediatisierung und Virtualisierung einerseits, und die Wiedereinschreibung des Körpers andererseits manifestiert. In ihrem Beitrag „Alina Szapocznikow – Der Körper als formbare Substanz“ geht Susanne Mierzwiak der Rezeption und Positionierung der in Vergessenheit geratenen Künstlerin des Ausstellungsdiskurses der 1960er Jahre nach. Mierzwiak befasst sich mit der Rolle des Kritikers Pierre Restany und untersucht aus materialikonografischer Perspektive die synthetischen Assemblagen abgeformter Körperfragmente.

 

In ihrem Essay “Ana Mendieta: Posthumanist Performativity and Spiritual Becomings” gelingt es Milena Maffei, die Arbeiten der kubanischen Künstlerin mithilfe posthumanistischer Theorien des Performativen neu zu kontextualisieren. Damit setzt sie sich von den gängigen westlichen Werkinterpretationen und formalistisch geprägten Analysemodellen ab. Mit dem Aufsatz „Auf Messers Schneide. Geschlechterdifferenz als Visualisierungsstrategie in Der Anatom von Gabriel von Max“ stellt Mirjam Wilhelm heraus, wie stark dieses Gemälde der Münchener Salonmalerei die Geschlechterrealitäten popularisierte und zugleich das Rollenverständnis des Malers als genialer Künstler formulierte.

 

Mit Gestaltungsprinzipien des urbanen Raums befasst sich Sina Brückner-Amin in „The Greenest Playground. Planting Los Angeles, 1930“. Darin zeigt sie, wie sich die Begrünung der nordamerikanischen Westküstenmetropole an der Szenerie von Hollywoodfilmen orientierte, Gegenden nichtweißer Bevölkerungsschichten ausließ und auf der Grundlage von deren Unterdrückung und Ausbeutung entstand.

 

Alice Gustson schließlich analysiert, wie 40 Jahre später in der gleichen Stadt, am LOS ANGELES COUNTY MUSEUM OF ART, ein interdisziplinärer Austausch zwischen Kunst, Wissenschaft und Technologie initiiert wurde. In ihrem Essay „Space Exploration. (Welt-)Raumforschung zwischen Kunst und Wissenschaft im Habitability Project von Robert Irwin und Edward Wortz“ widmet sie sich den Wahrnehmungsexperimenten zum Universum in den 1960/70er Jahren und deren Einfluss auf künstlerische Produktionen.

 

Das auf jährlich 12 bis 15 Studierende begrenzte Masterprogramm hat bislang 76 Absolvent*innen hervorgebracht, von denen derzeit mehr als die Hälfte in Museums- und Ausstellungsinstitutionen arbeiten, 13 promovieren und einige eigene Projektinitiativen gestartet haben.

Call for Papers & Save the Date: Open Space der Digitalen Kunstgeschichte – Wir wollen neue Erkenntnisse teilen, gemeinsam unser Methodenrepertoire schärfen und neue Wege diskutieren || blog.arthistoricum.net

Die Digitalisierung hilft Komplexität zu erfassen, die dem Menschen analog so nicht zugänglich wäre. Das gilt nicht nur für die Wettervorhersage oder für die Auswertung pandemischer Daten. Das betrifft alle Wissenschaften und so auch die Kunstgeschichte.

Sadie Hawkins Day: Der blanke Hohn im Empowerment-Gewandt || blog.arthistoricum.net

Jedes Jahr am 13. November feiert Amerika den Sadie Hawkins Day. An diesem Tag herrscht Damenwahl: Mädchen laden Jungen zum Ball ein, üblicherweise an High-Schools, Middle Schools oder Colleges. 

Klingt soweit gut?

Unabhängig davon, dass durch diese Umkehr der Norm und ihre Stellung als Besonderheit lediglich das sonst herrschende Machtgefälle betont wird, ist es an dieser Stelle lohnenswert einen Blick auf den Ursprung des Ganzen zu werfen. Die Namensgeberin des Tages taucht zum ersten Mal 1937 im Comicstrip Li’l Abner von Alfred Gerald Caplin, bekannter als Al Capp, auf. Von 1934 bis 1977 wurde Capps Werk in einer Vielzahl an amerikanischen, kanadischen und europäischen Zeitungen, darunter The Boston Globe und The Times, veröffentlicht. 

Al Capp, Li'l Abner, 1934
Al Capp, Li'l Abner, 1934

Der Strip folgt in satirischer Manier dem Leben der Bewohner eines ländlichen amerikanischen Bergweilers. Dogpatch, so der Name der fiktiven Siedlung, ist die Heimat der Familie Yokum – eine Zusammensetzung der Wörter yokel (dt.: Bauerntrampel) und hokum (dt.: Humbug) – deren Sohn Li’l Abner (dt.: kleiner Abner) der Reihe ihren Namen gibt. Wie alle Dogpatch-Bewohner ist er weder ein großer Freund von Arbeit noch von Fortschritt. Auch vor der Heirat drückt er sich lange – sehr zum Leid seiner, an Marilyn Monroe und Mae West angelehnten, Freundin Daisy Mae Scraggs.

Doch bevor es soweit kam, litt Li’l Abner viele Jahre unter den Strapazen des sogenannten Sadie Hawkins Day, eines fiktiven Feiertages, der jährlich in Dogpatch begangen wird. Erwähnt wird der Begriff erstmals am 13. November 1937, woraufhin zwei Tage später der Strip The Strange Case of Sadie Hawkins – Part 1 (teilweise auch The Strange Case of Sadig Hawkins – Part 1) erschien. Obwohl sich der Sadie Hawkins Day am 13. November etablierte findet er im Comic an unterschiedlichen Tagen statt. Der fiktive Feiertag wurde letztlich nicht dem Datum, sondern der Handlung angepasst und fand so statt, wie es für die Geschichte dienlich war.

Obwohl sich der Sadie Hawkins Day am 13. November etablierte findet er im Comic an unterschiedlichen Tagen statt. Der fiktive Feiertag wurde letztlich nicht dem Datum, sondern der Handlung angepasst und fand so statt, wie es für die Geschichte dienlich war.

Al Capp, Li'l Abner, 1937
Al Capp, Li'l Abner, 1937
Al Capp, Li'l Abner, 1937
Al Capp, Li'l Abner, 1937

Die Leserschaft erfährt, dass es sich bei diesem fiktiven Feiertag um die Erfindung des ersten Dogpatch-Siedlers Hekzebiah Hawkins handelt. Begründet wird die Neuerung mit Sadie Hawkins, der Tochter Hekzebiahs, die mit 35 Jahren immer noch das unglückliche Leben einer unverheirateten Frau fristet. Von Capp als „the homeliest gal in them hills“ beschrieben wartet sie vergeblich auf das Wunder der Ehe. Da ihr Vater mit Schrecken auf eine Zukunft blickt, in der Sadie immer noch bei ihm wohnt, verpflichtet er die Bewohner der Siedlung an einem Wettstreit teilzunehmen: Derjenige, der sich von seiner Tochter fangen lässt, wird ihr Ehemann. 

Das Vorhaben gelingt und Sadie verlässt als glücklich verheiratete Frau den Platz. Von ihrem Erfolg beflügelt, beschließen die alleinstehenden Dogpatch-Bewohnerinnen dieses Ereignis jährlich am 9. November zu wiederholen und sich so eine Ehe zu ermöglichen. Nun handelt es sich bei diesem Strip natürlich um ein Werk aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, womit sich die antiquierte Meinung zu unverheirateten Frauen erklären lässt. Auch wird deutlich, dass Capp auf humoristische Weise die Geschlechterrollen vertauschen möchte.

Bee Gee News, 1947
Bee Gee News, 1947

Nach Veröffentlichung des Strips fanden innerhalb von zwei Jahren an bereits über 200 Colleges Sadie Hawkins Day Feiern statt, viele davon beinhalteten sogar die Männerjagd. Auch heute noch richten amerikanische Schulen und Universitäten Sadie Hawkins Bälle als emanzipatorisch angehauchte Veranstaltung aus. Geschätzt wurde und wird dabei vor allem die Rollenumkehrung und der damit verbundene Wechsel der Frauen von der passiven in die aktive Rolle, wodurch die gesellschaftlichen Regeln ebenso wie codiertes Dating-Verhalten als gebrochen gelten. 

Doch stellt das Comic-Event tatsächlich eine adäquate Grundlage für heutige Pseudo-Feiertage und Jugendveranstaltungen dar, die sich darüber hinaus das inflationär benutzte Wort „Empowerment“ auf die Fahne schreiben? So findet sich beispielsweise im August 2017 in ENTITY Mag – Women That Do – Inspire, Educate, Empower, einem Onlinemagazin, das zum Online-Bildungsunternehmen ENTITY Academy gehört, der Artikel 5 Ways A Powerful Woman Makes the First Move for Sadie Hawkins Day. Ermutigt werden Frauen mit folgendem einleitenden Satz: „Attention empowered women of 2017, grab your courage this Sadie Hawkins Day (November 15th) and finally go for it with the guy or gal you’ve been waiting to ask you out. After all, if you want something done right, you have to do it yourself, right?“. Zwar wird der Ursprung des Tages nicht unkritisch erklärt, doch mit „Yay, gender equality!“ anschließend auch erläutert, dass er sich von seinen Ursprüngen freigekämpft habe und ohne die Jagd eine gute Möglichkeit für Frauen sei den ersten Schritt zu machen.

Auch der Holidays Calendar, ein Online-Kalender für weltweite Feiertage, beschreibt den Feiertag folgendermaßen: „The purpose of this day is to empower women to take control of their lives.“

Obwohl sich der Tag beständig in Veranstaltungs-Kalendern findet, ist ein langsamer Prozess des Umdenken in Gang geraten. Dafür liefert der Strip auch einige Gründe. Denn obgleich Damenwahl herrscht, ist die Frau auf den Antrag des Mannes, den sie gefangen hat, angewiesen. Auf der anderen Seite haben die Männer nichtsdestotrotz kein Entscheidungsrecht und sind dazu verpflichtet die Frau zu fragen.  So erzeug Capp auf einzigartige Weise eine Art Zwangsheirat und schafft es, das Bild der passiven Frau mit einer gegen den Willen des Mannes stattfindenden Heirat zu vereinen und alle Beteiligten unglücklich zurückzulassen.

Al Capp, Li'l Abner, 1939
Al Capp, Li'l Abner, 1939
Al Capp, Li'l Abner, 1939
Al Capp, Li'l Abner, 1939

Auch stellt Capp die Frauen als äußerst aggressive Jägerinnen dar, die sich voller Tatendrang und mitunter ohne Gnade auf die Dogpatcher Junggesellen stürzen, oder zu anderen Mitteln wie Sprengpulver greifen. Frauen ist es untersagt zu arbeiten, Geld zu verdienen und sich eine eigene Existenz aufzubauen, weshalb die Ehe für sie gezwungenermaßen Sicherheit bietet. Darüber hinaus wird der Wert der Frau an ihrem Beziehungsstatus gemessen, wie das Verhalten Hekzebiahs verdeutlicht. Statt auf diese Problematik einzugehen, stellt Capp die weibliche Versessenheit auf die Ehe jedoch als unbegründete Hysterie dar.

Da der Fokus im Comic auf Li’l Abner liegt, steht bei jedem Sadie Hawkins Day auch die unglücklich in ihn verliebte Daisy Mae im Mittelpunkt. Der Clou der Strips ist es, dass Abner sich bei jedem Sadie Hawkins Day um die Hochzeit drücken kann. Die Spannung für die Leserschaft wird insofern erzeugt, als bis zum Ende nie klar ist, wie genau es ihm gelingt. Von vorneherein deutlich ist dafür jedes Mal, welch ein Gräuel das Gefangenwerden und die damit einhergehende Ehe für die Dogpatcher und insbesondere Li’l Abner darstellt. Denn die Ehe wird im Comic als ein Zustand dargestellt, infolgedessen Männer ihre Macht und Stärke verlieren, da Frauen sie von ihrem Alltag abhalten würden, ihren Abenteuern und ihrem Nichtstun. So wird dem Bild der heiratspanischen, verzweifelten Frau, die ebenso konstruierte und gleichwohl stigmatisierende Darstellung des soliden Alphatiers, der sich Gefühlen und Schwäche entzieht, gegenübergestellt.

Al Capp, Li'l Abner, 1939
Al Capp, Li'l Abner, 1939

So kommt es, dass Li’l Abner 1939 bewusst in einen Brand rennt, um Daisy Mae zu entkommen. Durch einen Monolog erfährt die Leserschaft, dass der Protagonist den Flammentod der Heirat vorziehen würde. Glücklicherweise kommt es bereits zwei Panels später zu einer Wendung und Abner muss die bewusstlose Daisy Mae, die ihm ins Feuer gefolgt ist, heldenhaft aus der Gefahr retten. 

Al Capp, Li'l Abner, 1939
Al Capp, Li'l Abner, 1939

Das Problem daran ist, dass er, um sie zu retten, mit ihr im Arm über die Ziellinie läuft, was den Regeln nach bedeutet, dass er sie um ihre Hand anhalten muss. Als Daisy Mae jedoch hört, dass Li‘l Abner mit dieser Tat lediglich „ihr Leben retten, nicht seines ruinieren“ wollte und die Siedlungsbewohner zusätzlichen Druck aufbauen, weist sie unter Tränen den Heiratsantrag ab. Dass Li’l Abner daraufhin einen Freudentanz aufführt und sich zum glücklichsten Mann der Welt erklärt unterstreicht  die Aussage des Strips zusätzlich.

1952 fügte sich Capp schließlich den Wünschen seiner Leserschaft und ließ Li'l Abner und Daisy Mae sich das Ja-Wort geben. Und obwohl man annehmen könnte, dass die Hochzeit der beiden Charaktere ein Resultat des Sadie Hawkins Days sei, findet sie unabhängig davon statt. Daisy Mae gelingt es zwar des Öfteren Li’l Abner zu fangen, doch tritt in letzter Sekunde immer ein Szenario ein, das die Ehe vereitelt oder ungültig werden lässt. Was bleibt ist ein fader Beigeschmack von einem Rollenbild, das so schon lange nicht mehr vermittelt werden sollte und die Frage warum ein Tag mit dieser Grundlage noch heute gefeiert wird.

Für FAIRe Forschungsdaten und -software in der Kunstgeschichte: Das Deutsche Forum Kunstgeschichte und arthistoricum.net schaffen neues Angebot || blog.arthistoricum.net

Maria Effinger (arthistoricum.net), Anne Klammt (DFK Paris)

Die Frage, wie Forschungsdaten und Forschungssoftware gesichert und zur Verfügung gestellt werden können, ist auch in der Kunstgeschichte hochaktuell. Das Deutsche Forum Kunstgeschichte Paris (DFK Paris) bietet nun seinen Forscherinnen und Forschern zusammen mit arthistoricum.net eine Lösung an. Zukünftig wird das DFK Paris publikationsbezogene Daten und Software, die in Projekten des Institutes entstehen, in das Repositorium für Forschungsdaten arthistoricum.net@heiDATA der Universitätsbibliothek Heidelberg übergeben. Auf diese Weise werden Daten und Software langfristig offen verfügbar, können wissenschaftlich korrekt zitiert werden und als Grundlage für neue Forschungsprojekte in den Geistes- und Kulturwissenschaften dienen. Das DFK Paris und arthistoricum.net erweitern damit ihre bisherige erfolgreiche Zusammenarbeit im Feld der digitalen Open-Access-Publikationsreihen (Jahresberichte und Passages-Online) sowie mit ART-Dok.

Die ersten Daten, die im neuen Dataverse DFK Paris in arthistoricum.net@heiDATA gespeichert wurden, stammen vom internationalen Forschungsprojekt OwnReality – Jedem seine Wirklichkeit zur Untersuchung der Begriffe "Wirklichkeit" und "Realität" im Kunstdiskurs der 1950er und 1960er Jahre in Frankreich, der BRD, der DDR und Polen. Die gespeicherten Forschungsdaten umfassen dabei aufbereitete Quellen (Zusammenfassungen von Presseartikeln und Präsentationen von Kunstzeitschriften), eine Chronologie von Ausstellungen, Interviews mit Zeitzeugen und Fallstudien. Präsentiert werden diese Daten auf den Webseiten des DFK Paris. Bei der Forschungssoftware handelt es sich um eine eigens als Open Source entwickelte API only Webapplikation mit der die Daten in verschiedene Umgebungen ausgespielt werden können.

Mit arthistoricum.net@heiDATA hat arthistoricum.net neben seinen Angeboten zu digitalen Publikationen, digitalen Editionen und Objektdatenbanken auch eine Lösung für die Sicherung von Forschungsdaten und –software.

Das DFK Paris hat seit 2015 systematisch die Entwicklung der Digitalen Kunstgeschichte am Institut vorangetrieben. Geleitet von konkreten fachwissenschaftlichen Fragestellungen sind in wenigen Jahren Datenbestände zu unterschiedlichen Themen der Kunstgeschichte aufgebaut worden, die über die Webseiten des DFK aufrufbar sind. Neben den Daten wurde auch die Entwicklung spezifischer Software von Beginn an als Aufgabe der digitalen Forschung erkannt und die Ergebnisse als Open Source über Github zur Verfügung gestellt.

Zum Projekt „OwnReality“ in den Jahresberichten des DFK Paris:

 

Dataverse DFK Paris in heiDATA4arthistoricum.net

Schwelgen im Bild. Neue Recherchemöglichkeit in Illustrierten Magazinen und Zeitschriften zur Gebrauchsgraphik || blog.arthistoricum.net

In den 1920er Jahren entstand ein neuer Typ von Zeitschriften, der unser Bildgedächtnis ähnlich prägte wie das Kino: die Illustrierten Magazine. Sie waren angetreten, um in populärer und unterhaltender Art den Informationshunger der breiten Masse zu stillen, und zwar nicht im Dienste eines klassischen Bildungsideals, sondern in popkultureller Mission: gesellschaftliche Events, die Welt der Schönen und Reichen, Sport und nicht zuletzt die Glitzerwelt des Films waren die tonangebenden Themen der meisten Magazine. Diese Ausrichtung fand ihren Ausdruck in der typischen – und bis heute gültigen – Gestaltungsform der Hefte: Das bestimmende Element war das Bild.

Abbildungen aus den Illustrierten Magazinen
Agenturfoto, in »Das Kriminal-Magazin«, Heft 25, 1931
Agenturfoto, in »Das Kriminal-Magazin«, Heft 25, 1931

Gerade der innovative, nicht selten experimentelle, avantgardistische Einsatz der Fotografie macht die Illustrierten Magazine zu einer einzigartigen Quelle für das Bildgedächtnis der Weimarer Zeit und bis heute zu Referenzpunkten der Fotogeschichte. Bereits vor einigen Jahren wurde daher an der SLUB Dresden mit einem aufwendigen Digitalisierungs- und Erschließungsprojekt begonnen, das die Magazine virtuell für die Recherche per Tiefenerschließung und Volltexterkennung zusammengeführt hat. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Erfassung der einzelnen Abbildungen, allerdings war der Recherchezugang bibliothekarischen Gepflogenheiten folgend primär auf das Suchen und Finden einzelner Hefte ausgelegt.

Die Bildsuche in der Kollektion »Illustrierte Magazine«
Die Bildsuche in der Kollektion »Illustrierte Magazine«

Die Möglichkeiten des arthistoricum.net-Bildsuchraumes nutzend – und dem Stellenwert des fotografischen Materials angemessen –, wurde daher im Rahmen des FID Kunst, Fotografie, Design an einer bildzentrierten Recherchemöglichkeit für diese einzigartige Quellenbasis gearbeitet. Zu diesem Zweck wurden alle innerhalb einzelner Hefte und Artikel erfassten Abbildungen über komplexe Datenmanagement-Routinen auf Metadatenebene vereinzelt und als eigenständige Bilddaten für die arthistoricum.net-Bildersuche verfügbar gemacht. Ergebnis ist die Bildkollektion »Illustrierte Magazine«, in der die rund 56.000 Abbildungen nun nach Fotografen, Bildagenturen, Titeln und Schlagworten individuell und unter Beibehaltung ihres Veröffentlichungskontextes auffindbar sind. Vervollständigt wird die neue Zugriffsmöglichkeit durch IIIF-Manifeste für jedes Bild, die den komfortablen Umgang mit den gefundenen Bildern im arthistoricum.net-Werkzeugkasten ermöglichen.

Beilagen und Abbildungen in »Das Plakat« und »Gebrauchsgraphik«

Doch damit nicht genug! Auch die beiden Zeitschriften »Das Plakat« und »Gebrauchsgraphik«, die maßgeblichen Fachzeitschriften zur Gebrauchs- und Reklamegrafik in den 1910er und 1920er Jahren, haben wir uns noch einmal vorgenommen. Beide Zeitschriften sind ebenfalls durch ihre besondere Gestaltung und den Stellenwert, der den Abbildungen beigemessen wird, erstklassiges Quellenmaterial, wenngleich es hier weniger Fotografien als vielmehr hochwertige Druckreproduktionen gebrauchsgrafischer Arbeiten aller Art sind. Grund genug auch diese Abbildungen für eine bequeme, bildzentrierte Recherche in den arthistoricum.net-Bildsuchraum zu integrieren. In rund 18.000 Abbildungen kann man nun nach Plakaten, Verpackungen, Buchumschlägen und anderen gebrauchsgrafischen Erzeugnissen stöbern.

Beide Bildkollektionen werden in arthistoricum.net näher vorgestellt: Eine Auswahl an Namen, Themen und Schlagwörtern dient als Einladung zum Stöbern und Staunen, zum Suchen und Finden in den faszinierenden Bildwelten der Goldenen Zwanziger!

• zur Übersicht »Bildkollektion Illustrierte Magazine«
• zur Übersicht »Bildkollektion Gebrauchs- und Reklamegrafik«
• Stöbern zum Beispiel nach Werken von Lucian Bernhard, Heinz Hajek-Halke, Umbo, Yva, Ludwig Hohlwein ... oder Bilder von Marlene Dietrich, Emil Jannings, Hans Albers, Greta Garbo oder der Ufa finden ... oder die eigene Suche starten.

 

 

„Was Hänschen nicht gelernt, lernt Hans nimmermehr“ || blog.arthistoricum.net

Dieses und andere Sprichwörter wie „Hunger ist der beste Koch“ oder „Wer A sagt, der muss auch B sagen“ begleiten uns von Kindheit an durch das ganze Leben. Wenn auch auf den ersten Blick nicht immer leicht verständlich, übermitteln Sprichwörter Lebenserfahrungen, Warnungen oder Verhaltensregeln, die über Generationen hinweg allgemeingültig gewesen zu sein scheinen. Da ihr Ursprung in der Regel unbekannt ist, überrascht es nicht, dass sie bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts zur volkstümlichen Belehrung verwendet wurden – und dies unter anderem in Form von humorvollen Illustrationen. Ein hervorragendes Beispiel geben dafür die „Münchener Bilderbogen“ ab.