Erster Open Space hat sein Ziel erreicht || blog.arthistoricum.net

Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte

Unser Anliegen und Ziel: “Wir wollen neue Erkenntnisse teilen, gemeinsam unser Methodenrepertoire schärfen und neue Wege diskutieren.”

Die inaugurale, virtuelle Veranstaltung “Open Space des Arbeitskreises Digitale Kunstgeschichte” hat ihr Ziel erreicht: Mit über 160 Anmeldungen und ca. 120 gleichzeitigen Teilnehmer:innen sowie einer großen Anzahl über den Tagesverlauf in wechselnden Zuschaltungen beteiligter Personen wurde eine große Zahl an Interessierten angesprochen. Sie bildeten ein breites Spektrum ab, das von der etablierten Digital Humanities-Expertin bzw. Experten bis hin zu zahlreichen Early Careers und thematischen Neueinsteiger:innen versammelte, die sich über das Feld informieren wollten und Kontakte sowie Anküpfungspunkte suchten. Nach einem Auftakt mit acht kurzen Pitches, die auf den Call des Arbeitskreises für Digitale Kunstgeschichte eingegangen sind (s. u.), wurden noch weitere Themen gesammelt und auf drei Diskussionszyklen mit drei bis fünf parallel stattfindenden Räumen verteilt. Zusätzlich strukturiert wurde der Tag durch eine Vorstellung der Aktivitäten des Arbeitskreises vor der Mittagspause und einem abschließenden Plenum, in dem die Gruppen von ihrem Austausch berichtet haben. Als weiteres Angebot wurden für die Pausen und als Ausklang eine virtuelle Umgebung zum Netzwerken angeboten (wonder.me). Alle Formate waren vom Arbeitskreis als Angebot gedacht, den thematischen Einstieg in das Themenfeld vor allem aber die Vernetzung zu befördern. Diese Möglichkeit wurde nach unserer Beobachtung sehr gut angenommen.
Dementsprechend wurde ein Diskussionsraum mit Tipps und Tricks für den Beginn des ersten “digitalen” Forschungsprojekts von einer weitgespannten Runde besucht, die spontan Anfänger:innen und Forscher:innen mit viel Erfahrungen zusammengeführt hat. Gemeinschaftlich arbeiteten sie an einem Best-practice-Dokument. Die thematisch engeren Diskussionsräume hatten zwar kleinere Teilnehmerzahlen, waren jedoch ebenso heterogen besucht. Als großer Erfolg können die vielen angeregten Diskussionen gewertet werden, die aus verschiedenen Projekten und Expertisen kommend auf verbindende und fortführende Einsichten gerichtet waren. Sie waren für alle Teilnehmer:innen eine große Bereicherung und ließen die jeweils auf eine gute Stunde begrenzte Diskussionszeit fast regelmäßig als zu knapp bemessen erscheinen. Ein Vorteil des spontanen Tagungsformates war es sicher, dass so nur Themen besprochen wurden, die aktuell durch die Anwesenden Zuspruch fanden und auf Diskussionsbedarf trafen. Zuzüglich zum geläufigen Zoom-Chat und Twitter (#openspaceDKG2021) gab es einen Slack-Channel mit Tipps und Hilfestellungen zum Tagungsformat. Ein kollaboratives virtuelles Board (miro) wurde nach den einleitenden pitches spontan und vielfältig von den Gruppen genutzt, um ihr Thema und ihre Diskussionspunkte auf dem interaktiven Board festzuhalten.
(Dokumentation: Angela Dressen und Holger Simon)

Projektentwicklung: Vom Schuhkarton zur Datenbank

Initiiert und dokumentiert von Catrin Blanke
Die Gruppe öffnete mit der Frage: Wie kann strategische Projektentwicklung aussehen, wenn die physischen Sammlungsobjekte erst einmal erfasst und dann in eine digitale Infrastruktur nach neuestem Stand aufgenommen werden sollen?
Festgestellt wurde, dass die Komplexität der Aufgabe und Herausforderung auf der technischen Ebene (digitale Kunstgeschichte) oft den Blick verstellen. Wie bei allen Projekten fragen wir jedoch auch hier als erstes nach Projektziel und Möglichkeiten: Wohin? Welche Daten? Wer macht was, wo, wie, wann und wieso? Organisches Arbeiten und Entwicklung “on the fly” helfen, Lösungen schrittweise zu entwickeln. Man beginnt mit einfachen Prozessen und nutzt das explizite Formulieren implizit verwendeter Prozessabläufe (mit Powerpointpräsentation, Zeichnung etc.) und iteratives Vorgehen bis zur Entscheidung über die digitale Infrastruktur. Eine offene Kommunikation zu Schwierigkeiten und Hürden, Irrwegen und Erfolgen ist notwendig.
Kunsthistoriker:innen, so bestätigte die Erfahrung der Diskussionsrunde, wünschen sich Unterlagen zum Einstieg in die digitale Kunstgeschichte und Empfehlungen (Handreichungen) für die Erarbeitung des notwendigen Know-hows.
Das Fazit der gemeinsamen Überlegungen kann wie folgt zusammengefasst werden: Sich nicht von der technischen Herausforderung abschrecken lassen und mit konsequentem Projektmanagement Schritt für Schritt vorarbeiten. Die Projektplanung iterativ gestalten und dabei Mut zur Lücke und zum “failing forward” haben. Insbesondere soll auf implizit vorhandenes Wissen zurückgegriffen werden können - in der Besprechung somit nicht nur sprechen, sondern auch zuhören. Gerade bei interdisziplinären Forschungsprojekten muss genau verstanden werden, wer was mit welchen Begriffen meint (z. B. stellt sich der Begriff “Design” für Kunsthistoriker:innen und Interface Designer:innen als zwei verschiedene Paar Schuhe heraus). Unbedingt zu berücksichtigen ist, welcher Teil des Projekts auf das Sammeln und Organisieren von Material und Informationen, und welcher auf das tatsächliche Forschen mit digitalen Daten abzielt.

Screenshot Tweet von Jacqueline Klusik-Eckert vom 29. Januar 2021 zum Open Space des Arbeitskreises Digitale Kunstgeschichte.
Screenshot Tweet von Jacqueline Klusik-Eckert vom 29. Januar 2021 zum Open Space des Arbeitskreises Digitale Kunstgeschichte.

Beyond Ontology

Initiiert und dokumentiert von Jacqueline Klusik-Eckert
Trotz unterschiedlicher Perspektiven auf die Frage der Datenmodellierung und Datenbankstrategien gab es in dem Raum einen Konsens. Wenn es um Daten geht, verfolgen wir das gleiche Ziel. Wir möchten unsere Forschungsdaten miteinander vernetzen, sie austauschbar und erweiterbar halten. Wir zielen auf Transparenz und Interoperabilität. In der Gruppe wurde, angeregt durch das Forschungsprojekt Beyond Ontology von Jacqueline Klusik-Eckert, diskutiert, ob die in der Theorie angelegte Interoperabilität durch Ontologien wie CIDOC-CRM und LIDO in der Praxis umsetzbar ist. Als Fallbeispiel wurde über die Modellierung von Objektbeziehungen nachgedacht. Dabei wurde festgestellt, dass Werkbeziehungen aus unterschiedlichen Gründen noch nicht in den großen Onlinesammlungen angelegt werden. Darüber hinaus wurde sich über aktuelle Projekte ausgetauscht, die nach einer Standardisierung der Datenmodellierung für unser Kulturgut arbeiten und sich eher im Gedanken der Meta-Datenbank verpflichtet sehen. Doch hier hat sich gezeigt, dass eine Vernetzung der unterschiedlichen Communities noch aussteht. Parallel hat der Raum über Twitter angeregt, Projekte zu sammeln.

Semantische Daten und Linked Open Data

Initiiert und dokumentiert von Linda Freyberg, Sabine Günther, Thomas Hänsli, Florian Kräutli und Stephanie Santschi
Im Open Space versammelten sich Interessierte zum Thema semantische Daten und Linked Data, dabei bildeten zwei Projekte die Diskussionsgrundlage. Sabine de Günther und Linda Freyberg stellten Restaging Fashion vor, Florian Kräutli das Projekt Bilder der Schweiz Online (BSO). Beide Projekte bereiten Daten aus unterschiedlichen Quellen für die kunsthistorische Forschung auf. Gemein sind beiden Projekten ein Fokus auf Bilddaten und Datenvisualisierung. Restaging Fashion generiert zudem digitale Rekonstruktionen historischer Kleidung als 3D Daten, während BSO ein besonderes Augenmerk auf geografische Daten legt. Ein Grundpfeiler von Linked Data ist die Beschreibung von Daten mittels Links auf existierende Referenzdaten. Bei historischen Forschungsprojekten stellt sich aber immer die Frage, ob überhaupt direkte Beziehungen zu existierenden Taxonomien hergestellt werden können. Hier bietet es sich an, schwächere Beziehungen zu wählen (z.B. skos:closeMatch, statt skos:exactMatch oder owl:sameAs), oder existierende Thesauri zu erweitern. Auf der technischen Ebene wurden geeignet Linked Data Plattformen und Tools zur Datensammlung angesprochen, u.a. Omeka S, WissKi, ResearchSpace und Metaphacts Open Platform.

Zeitschrift zur Rezension von Forschungssoftware und Datenservices

Initiiert und dokumentiert von Lisa Dieckmann, Maria Effinger und Anne Klammt
Der Open Space hat zur Profilierung eines neuen Formats ‒ Construction Kit: a review journal for research tools and data services in the humanities (AT) ‒ für Rezensionen von Forschungssoftware und digitalen Services geführt. Beigetragen haben dazu sowohl Forscher:innen, die das Thema aus dem Blickwinkel der Anwendung und des Einsatzes von Software und Services betrachten, als auch solche, die diese entwickeln. Für die Anwendung wurde besonders der Bedarf nach Besprechungen hervorgehoben, aus denen sich ein umfassendes Bild zu den Use Cases und dem Aufwand zur Implementierung und dem Erlernen einer angemessenen Anwendung ergibt. Für die Research-Software-Engineers sind die differenzierte Beschreibung der technischen Parameter der Software und ihrer Dokumentation wichtige Merkmale einer aussagekräftigen Rezension. Die Veröffentlichung solcher Reviews über ein Open-Access-E-Journal, das über arthistoricum.net gehostet werden soll (Nutzung von Open Journal Systems [OJS]) und entsprechend von einer etablierten Infrastruktur mit bibliothekarischer Katalogisierung, Datenrepositorium und der Anbindung an den arthistoricum.net-Blog profitieren kann, wurde von der Gruppe als zielführend eingeschätzt. Positiv begrüßt wurde die Verbindung mit der Task Area 3 Research Tools and Data Services von NFDI4Culture, die von 2021 an eine Registry von Software und Services aufbauen wird. Auch in diesem Kontext werden einige Rezensionen entstehen, die in der neuen Zeitschrift veröffentlicht werden können.

Computervision

Initiiert und dokumentiert von Peter Bell und Fabian Offert
Der Einstieg in die Diskussion über das künstliche Sehen (Computer Vision) wurde durch eine Präsentation der Bildähnlichkeitssuche imgs.ai vollzogen und entfachte sich insbesondere um die Validität und teilweise Banalität oder Unerwartetheit der Ergebnisse. Dabei wurde sogar infrage gestellt, ob überhaupt von Ergebnissen gesprochen werden sollte, da darin schon eine sehr subjektive Erwartungshaltung enthalten ist, während die präsentierte Ähnlichkeitsverhältnisse lediglich statistische Sichten auf das Material sind, die sich mit jedem Modell ändern. Begrüßt wurde der ‘Verfremdungseffekt’ und die kritische Praxis, die im Umgang mit der Maschine gepflegt wird und ein Beitrag der digitalen Kunstgeschichte als Bildwissenschaft sein könnte. Unterstrichen wurde auch, dass obwohl große Fortschritte im Gebiet zu verzeichnen sind, weiterhin viel Grundlagenforschung zu leisten ist, die ein tiefergehendes Bildverständnis ermöglichen. Handschriften wurde in ihrer doppelten Bedeutung diskutiert, indem die Fortschritte im Bereich der Texterkennung (OCR) betont wurden, aber auch die Sonderstellung von illuminierten Handschriften herausgestellt wurden, deren Untersuchung sich durch Bild-Textrelation, Seitengestaltung und sequenzieller Bilderzählung anbieten würde.

Jetzt endlich Wikidata!

Initiiert und dokumentiert von Michael Müller und Georg Schelbert
In der Diskussionsrunde haben wir festgestellt, dass Wikidata bereits in einem ganzen Spektrum von Funktionen zum Einsatz kommt - als identifier, zur Daten-Anreicherung und zur Dokumentation von Daten aus eigenen Projekten und Sammlungen. Allerdings war auch erkennbar, dass dies noch eher sporadische Beispiele sind.
Es war im Raum spürbar ein großes Interesse vorhanden, Wikidata mehr und intensiver einzusetzen. Ebenso groß ist der Bedarf an passenden Werkzeugen und Best-practice-Beispielen. Die globale Community hat bereits zahlreiche Tools entwickelt, die zentral gesammelt werden (https://www.wikidata.org/wiki/Wikidata:Tools). Es bleibt ein Desiderat, die konkreten Anwendungsmöglichkeiten anhand von Beispielen zu diskutieren und gerade auch Werkzeuge, die in der Kunstgeschichte eingesetzt werden könnten, bekannter zu machen. Auch wäre es hilfreich, zu identifizieren, wo es typischerweise “hakt” und sich darüber systematisch auszutauschen.
Es hat sich aus dem Open Space heraus eine Arbeitsgruppe gebildet, die diese Themen angehen und nicht zuletzt zu einem besseren Austausch der sehr unterschiedlichen Kenntnisse beitragen möchte. Weitere Interessierte sind jederzeit herzlich dazu eingeladen. Sie finden Zugang über einen Slack-Channel namens Wikidata des Arbeitskreises Digitale Kunstgeschichte (weitere Informationen zum Zugang unter https://digitale-kunstgeschichte.de/).

Zwischen den Stühlen? Forschungsförderung für Projekte der Digitalen Kunstgeschichte

Initiiert und dokumentiert von Jacqueline Klusik-Eckert
Jede*r, die/der in einem interdisziplinären Bereich forscht, kennt das Problem, dass man mit seinen Anträgen „zwischen den Stühlen“ sitzt. In kleiner Gruppe konnte dies von allen bestätigt werden. Darum haben wir darüber gesprochen, wie man geschickt mit den unterschiedlichen Labeln umgehen kann, wie die Erfahrungen mit fachfremden Reviewer:innen bislang gewesen ist und ob es Nachteile gibt, diese In-Between-Stellung weiter voranzutreiben. Als Ergebnis wurde festgestellt, dass wir aktiv an einer positiveren und unterstützenden Fachkultur arbeiten müssen, um Konkurrenzdruck und missgünstiges Gutachtertum entgegenzuwirken. Wünschenswert wäre eine Öffnung etablierter Strukturen und einer größeren Bereitschaft, Ergebnisse wie auch Daten offen zu teilen. Eine aktive Lobbyarbeit gegenüber Fördergebern als auch eine Forcierung der Förderung von Projekten ohne utopische Versprechungen könnte hier zu einem Mentalitätswechsel führen.

Digitale Viewer und Visualisierungen

Initiiert und dokumentiert von Linda Freyberg, Sabine Günther, Thomas Hänsli, Florian Kräutli und Stephanie Santschi
In diesem Raum fand anhand der vorgestellten Forschungsprojekte Raoul Hausmann, Art of the March (UCLAB Potsdam), beide realisiert mit dem Open Source Vikus Viewer, und Bilder der Schweiz Online (SARI) eine spannende Diskussion zum Zusammenhang zwischen Bild und Wissen statt. Sowohl epistemologisch, in dem gefragt wurde, welchen Wert das (digitale) Bild, das auch die Visualisierung beinhaltet, als Erkenntnismedium hat, wie auch instrumental, nämlich ob digitale Viewer und Datenvisualisierungen eher zum Kuratieren (Darstellung) oder zum Recherchieren (Forschungsinstrument) dienen. Visualisierungen können als Brücken zwischen Makro- und Mikroperspektiven dienen, bei der Überprüfung der eigenen Arbeit helfen, der Exploration eines bisher unbekannten Datensets dienen und zudem didaktisches Werkzeug sein. Zum digitalen Bild als Erkenntnismedium wurde festgestellt, dass Visualisierungen stark davon abhängig sind, was Forschende und Endnutzende sehen respektive nicht darstellen möchten. Jeder Visualisierung liegt somit ein rhetorischer Wert zugrunde. Der Diskurs zum Umgang mit Unschärfen in Daten (Abbildung von Zeiträumen, geografischen Entitäten etc.) innerhalb von Visualisierungen soll unbedingt fortgeführt und verstärkt werden. Es ist zu wünschen, dass kunsthistorische Forschungsprojekte die Visualisierungen als Teil des Prozesses verwenden am Projektende nicht nur erfolgreiche Visualisierungsstrategien, sondern auch Informationen zum Lern- und Nachlernprozess publizieren: Zwischenergebnisse, Lücken und die iterative Veränderung im Spannungsfeld visuelles Kuratieren vs. Recherchieren mittels Visualisationen ist ein wichtiger wissenschaftlicher Bestandteil.

Qualitätssicherung – Replikation von inkorrekten Informationen, kritischer Umgang mit Daten und Möglichkeiten der Korrektion bereits etablierter Fehler

Initiiert und dokumentiert von Charlotte Oertel
Was passiert, wenn Quellenkritik nicht nur ein Beiprodukt guter Forschung ist, sondern zum Fokus wissenschaftsreflektiver Analyse wird? Kunsthistorische Arbeit baut regelmäßig auf früheren Publikationen auf. Zu häufig existieren allerdings Fehlinformationen, welche in Zitationsketten unreflektiert reproduziert werden. Durch Automatisierung können mittlerweile ganze Metadaten-Sets blind kopiert werden. Allerdings bieten technische Methoden auch Möglichkeiten, Diskrepanzen aufzuspüren und Ursprungsquellen zugänglicher zu machen. Die Existenz etablierter Fehlinformationen war allen Teilnehmern an der Diskussion in verschiedenen Formen bekannt, und das Format der freien Diskussion half, sich der komplexen Problematik zu nähern. Ein besseres Bewusstsein in Forschung und Lehre sowie Implementation korrektiver Systemprozesse wurden als zentrale Voraussetzungen besserer Praxis vorgeschlagen. Ein ergänzender Impuls wurde von Teilnehmern aus der Provenienzforschung gesetzt: Hier können informationsgebende Institutionen ein Interesse haben, Quellen zu verzerren. Dennoch wurden besitzende Institutionen von Kulturgütern und etablierte Instanzen am ehesten als verantwortlich gesehen, Informationen zu prüfen und Kontrollprozesse finanziell zu berücksichtigen - ohne als Autorität im Sinne des Monopols gelten zu dürfen.

Übersicht Pitches

 

  1. Stephanie Santschi, Florian Kräutli und Thomas Hänsli: Strategien zur Projektentwicklung in den Digital Humanities
  2. Sabine de Günther und Linda Freyberg: Restaging Fashion - Digitalisierung, Inhaltserschließung und Visualisierung vestimentärer Quellen
  3. Fabian Offert, Peter Bell und Oleg Harlamov: imgs.ai. A Fast, Dataset-Agnostic, Deep Visual Search for Digital Art History
  4. Michael Müller und Georg Schelbert: Jetzt endlich Wikidata!
  5. Florian Kräutli, Stephanie Santschi und Thomas Hänsli: Visuelle Daten im semantischen Raum – Bilder der Schweiz Online
  6. Elisa Roßberger: Babylonische Siegel(ungen) mit Knoten und Kanten
  7. Jacqueline Klusik-Eckert: Beyond Ontology?
  8. Lisa Dieckmann, Maria Effinger und Anne Klammt: Rezensionszeitschrift Forschungssoftware und Services

#vKG2021 – Digitale Erfahrungen und Strategien – Programm und Anmeldung || blog.arthistoricum.net

Digitale Erfahrungen und Strategien in der Kunstgeschichte nach einem Jahr Corona-Pandemie

Online-Konferenz am 26. und 27. März 2021

Das Programm der Tagung und die Anmeldung finden Sie auf arthistoricum.net.

Eine Anmeldung zur Online-Konferenz des Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V., des
Ulmer Verein – Verband für Kunst- und Kulturwissenschaften e.V. und des Arbeitskreises Digitale Kunstgeschichte ist nun möglich.
Bitte besuchen Sie die Anmeldeseite und registrieren Sie sich kostenlos bis zum 19.3.2021 über das Anmeldefenster.

Außerdem ist das Programm der Konferenz nun ebenfalls online und kann auf den Seiten von arthistoricum.net eingesehen werden:
Programm: Freitag, den 26. März 2021
Programm: Samstag, den 27. März 2021

 

Termin: 26.-27. März 2021
Anmeldefrist: 19. März 2021
Informationen zur Konferenz

Max Beckmann: Digitales Werkverzeichnis im Internet zugänglich || blog.arthistoricum.net

Seit 15. Januar 2021 ist das neue Werkverzeichnis der Gemälde von Max Beckmann online. Unter http://beckmann-gemaelde.org stehen die 843 Gemälde des Künstlers weit überwiegend mit farbiger Abbildung zur Verfügung. Die Werke sind verknüpft mit rund 10.450 Datensätzen: 5.100 Publikationen, 1.350 Ausstellungen, 2.500 Personen, 1.100 Institutionen, 270 Auktionen und 130 Archivmaterialien. Vielfältige Sortier- und Filterfunktionen bieten raschen und zuverlässigen Zugriff auf umfangreiche Rechercheergebnisse.

Philipp Hainhofer: Reiseberichte & Sammlungsbeschreibungen 1594–1636 || blog.arthistoricum.net

Edition und Datensammlung zur Kunst- und Kulturgeschichte der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts

Ein Beitrag von Michael Wenzel und Martin de la Iglesia

 

Die Reiserelationen Philipp Hainhofers spiegeln seine vielfältigen Tätigkeiten wider: Zwischen 1594 und 1636 bereiste der Augsburger zahlreiche Orte zwischen Stettin und Italien, um dabei diplomatischen, kaufmännischen und gelehrten Interessen und Aufträgen nachzukommen. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gab es in einer solchen Funktion nördlich der Alpen keine bedeutendere Figur als Hainhofer. Dadurch stellen seine Reiserelationen eine reichhaltige und hochrelevante Quelle für Kunstgeschichte und Geschichtswissenschaften der Frühen Neuzeit dar, vor allem für solche Forschungsgebiete, welche sich auf Kunst- und Wunderkammern, höfische Kultur oder interkulturelle Prozesse beziehen.

 

Die digitale Edition "Philipp Hainhofer: Reiseberichte & Sammlungsbeschreibungen 1574 & 1636" wird die erste vollständige Edition von Hainhofers Reiserelationen sein. Die digitalisierten Handschriften und transkribierten Texte werden dabei ergänzt durch textkritische Apparate, ausführliche Stellenkommentare und Register. Eine solch umfassende und tiefe Erschließung der Reiserelationen ist ein schon lange bestehendes Desiderat.

Synoptische Ansicht von Faksimile und Transkription auf hainhofer.hab.de
Synoptische Ansicht von Faksimile und Transkription auf hainhofer.hab.de

2020 endete die erste Phase des an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel angesiedelten und von der DFG geförderten Projekts. Im selben Jahr ging die Editionswebsite hainhofer.hab.de online. Sie umfasst die zwischen 1603 und 1636 entstandenen Beschreibungen der fünf Reisen Hainhofers an den Münchner Hof. Anschließend sollen in einem zweiten Abschnitt bis 2023 die Reisen nach Eichstätt, Nürnberg, Regensburg, Neuburg, Heidelberg (und Oberrhein) sowie Stuttgart, daraufhin in einer dritten Förderperiode die Reisen nach Stettin, Innsbruck und Dresden herausgegeben werden. Die letzte Projektphase wird das Reisetagebuch der Studien- und frühen Erwachsenenjahre sowie einige kleinere Kuraufenthalte zum Thema haben. Der Abschluss des Langfristvorhabens ist für 2029 vorgesehen.

 

Eine ausführlichere Projektvorstellung findet sich in einem 2019 erschienenen Beitrag in den Mitteilungen der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen sowie online auf ART-Dok, der Publikationsplattform für Kunst- und Bildwissenschaften der Universitätsbilbiothek Heidelberg. Die der Edition zugrundeliegenden Forschungsdaten – also vor allem die in TEI/XML codierten Transkriptionen und Kommentare sowie die daraus abgeleiteten Formate PDF, TXT und XHTML, außerdem die Register in PDF und XHTML – werden auf dem Repositorium für Forschungsdaten arthistoricum.net@heiDATAder Universitätsbibliothek Heidelberg dauerhaft archiviert. Während die Editionswebseite hainhofer.hab.de bis zum Ende der Projektlaufzeit kontinuierlich um neue Inhalte ergänzt wird, werden neue Versionen des Datensets auf arthistoricum.net@heiDATA in größeren Abständen bereitgestellt.

Symposium: Anselm Kiefer. Material, Begriffe, Rezeption (Call for Paper) || blog.arthistoricum.net

Ein Beitrag von Dr. Sebastian Baden

 

Call for Papers
Please scroll down for English version

 

Symposium: Anselm Kiefer. Material, Begriffe, Rezeption
(12. März 2021; Deadline 31. Januar 2021)

Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ in der Kunsthalle Mannheim bis 06.06.2021

 

Anselm Kiefer (*1945) ist einer der bekanntesten deutschen Künstler der Nachkriegszeit. Sein umfangreiches und vielschichtiges Werk setzt sich mit der deutschen Geschichte, der Verbindung von jüdischer und christlicher Tradition und den Medien der Erinnerungskultur auseinander. Die Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ in der Kunsthalle Mannheim zeigt Werke aus der Sammlung Grothe, die mehr als 30 Jahre künstlerisches Schaffen repräsentieren. Zu den typischen Werkstoffen des international renommierten Künstlers zählen neben Ölfarbe und Schellack die Materialien Asche, Blei, Beton, Pflanzen und Kunstharz. Die zumeist großformatigen Gemälde und Skulpturen sind in ihrer Dimension und ihrer haptischen Materialität auf Überwältigungseffekte angelegt. Die Ausstellung zeigt neben dem zentralen Frühwerk „Volkszählung“ von 1987-89 rund 17 Arbeiten aus mehr als drei Jahrzehnten wie „Die große Fracht“ (1981/1996), „Frauen der Antike“ (2002), „Palmsonntag“ (2007), oder „Der verlorene Buchstabe“ (2011-2017).

 

Konzept des Symposiums (12.3.2021)
Anselm Kiefer hat für die Gesellschaft und ihre Individuen existenzielle Themen aufgegriffen. Nach seiner intensiven Auseinandersetzung mit der deutschen Nachkriegsgeschichte im Frühwerk entstanden in den letzten Jahrzehnten seit der Übersiedelung nach Frankreich Arbeiten zur Verbindung von jüdischer und christlicher Kultur. Der Künstler zeigt darin sein Interesse an den unterschiedlichen Weltreligionen, der Mystik sowie den Erkenntnissen der Naturwissenschaften. Kiefers Arbeiten sind zeitgenössische Historienbilder, die Geschichte kritisch reflektieren und mit ihrer Ästhetik eine emotionale Wirkung erzielen.

 

Das Werk von Anselm Kiefer wurde in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt und von umfangreichen Katalogen begleitet. Verschiedene Publikationen und Monographien widmen sich fokussiert wichtigen Themen im Werk des Künstlers und zeigen die Geschichte der Ateliers, die als künstlerisch umgestaltete Landschaften wie Gesamtkunstwerke erscheinen. Einzelne kunstwissenschaftliche Qualifikationsarbeiten haben Kiefers Werk in unterschiedlichen Kontexten mit anderen zeitgenössischen künstlerischen Positionen verglichen. Die Kunstkritik wiederum hat Beiträge zur öffentlichen Diskussion um die Ästhetik und thematischen Inhalte in den Arbeiten von Anselm Kiefer geleistet. Für sein Werk wurde Anselm Kiefer mehrfach ausgezeichnet und sogar mit Aufträgen für den Louvre oder das Panthéon bedacht.

 

Im Rahmen der Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim soll das Symposium Anselm Kiefers Werk aus der Perspektive der jüngsten Forschung beleuchten. Neben der Präsentation der Werke soll die transdisziplinäre Arbeit vergleichender und kritischer Studien aus den Bereichen der Kunstgeschichte, Literatur- und Kulturwissenschaft, Geschichts- und Politikwissenschaft, Erinnerungskultur, Theologie oder Kunstpädagogik vorgestellt werden. Die ausgewählten Referent*innen des Symposiums und die Diskussionen mit dem Publikum sollen einen Beitrag zur aktuellen und internationalen Rezeptionsgeschichte von Anselm Kiefer leisten.
Der Aufruf richtet sich sowohl an etablierte als auch Nachwuchswissenschaftler*innen; gefragt sind Einreichungen aus Qualifikationsschriften, laufenden Forschungsprojekten oder kunstkritische Essays, die nicht länger als fünf Jahre zurückliegen. Das Themenfeld orientiert sich an den ausgestellten Arbeiten und kann folgende Kontexte berücksichtigen:

 

  • Anselm Kiefers Werk im Kontext der Nachkriegszeit und Gedenkkultur
  • Diskurs und Kritik am Werk in der Kunstgeschichte der Gegenwart
  • Die deutsch-französische Perspektive auf die politische Rolle des Künstlers Anselm Kiefer
  • Lyrik und Schrift auf Bildern und Skulpturen
  • Kosmologie und Astronomie zwischen Renaissance und NASA
  • Weltkulturen
  • Genderstudies
  • Jüdische Mystik und Kabbala neu entdeckt
  • Christliche Ikonografie im Wandel
  • Künstlerbücher und Wissenstransfer
  • Kiefers Werk in der Kunstvermittlung und Kunstpädagogik
  • Weitere Vorschläge sind möglich

 

Das Symposium wird von einer Podiumsdiskussion eröffnet.

Teilnehmer*innen des Podiums sind:

  • Prof. Dr. Andreas Beyer, Universität Basel, Kunsthistorisches Seminar, Sprecher Forschungsverbund Bilderfahrzeuge
  • Prof. Dr. Klaus Gallwitz, Karlsruhe, ehem. Direktor des Städelschen Kunstinstituts Frankfurt am Main, hat 1980 Werke von Anselm Kiefer im Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig gezeigt
  • Dr. Esther Graf, Vorstand der jüdischen Gemeinde Mannheim, wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Schwerpunkt Kunstgeschichte am Zentrum für jüdische Studien Heidelberg
  • Dr. Harriet Häußler, freie Kunsthistorikerin, Berlin, 2000-2003 Atelierassistenz bei Anselm Kiefer, Promotion über Anselm Kiefers Werkgruppe „Himmelspaläste“

 

Die Beiträge sollen in Präsentationen von max. 20 Minuten vorgestellt werden. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Aufgrund der derzeitigen Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie wird die Veranstaltung hybrid angelegt und perOnline Streaming übertragen. Vorträge können über eine vom Veranstalter eingerichtete Videochat-Plattform online verfolgt werden.

 

Abgabefrist für die Einreichung der Vorschläge: 31. Januar 2020. Bitte um Abstracts per E-Mail mit max. 2.000 Zeichen und Angaben zum CV. Eine Auswahl der Beiträge erfolgt bis 4. Februar 2020. Kontakt: sebastian.baden@mannheim.de

 

Die Kunsthalle übernimmt die Kosten für die Unterkunft der Referent*innen. Reisekosten können nach vorheriger Absprache bezuschusst werden.

 

Die Ausstellung und das Begleitprogramm werden gefördert von Stiftung Kunsthalle Mannheim, Hector-Stiftungen, Verein 321-2021:1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland e.V. und dem Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat.

 

Kurator der Ausstellung: Dr. Sebastian Baden
Programmkuratorin: Dörte Dennemann
Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
68165 Mannheim
kuma.art

 

Call for Papers: Symposium: Anselm Kiefer. Material, Begriffe, Rezeption
(12. März 2021; Deadline 31. Januar 2021)
Kontakt: sebastian.baden@mannheim.de

 

 

Call for Papers (ENGLISH VERSION)

 

Symposium: Anselm Kiefer. Materials, Themes, Reception (March 12, 2021; Deadline January 31, 2021)
Special exhibition "Anselm Kiefer" at the Kunsthalle Mannheim
Through 06.06.2021

 

Anselm Kiefer (*1945) is one of the best-known German artists of the post-war period. His extensive and multi layered work deals with German history, the connection between Jewish and Christian tradition and the media of memory culture. The special exhibition "Anselm Kiefer" at the Kunsthalle Mannheim shows works from the Grothe Collection representing more than 30 years of artistic creation. In addition to oil paint and shellac, the internationally renowned artist's typical materials include ash, lead, concrete, plants and synthetic resin. The mostly large-format paintings and sculptures are designed for overwhelming effects in their dimension and haptic materiality.
Starting from the central early work "Census" from 1987-89, the exhibition shows around 17 works from more than three decades, such as "The Great Cargo" (1981/1996), "Women of Antiquity" (2002), "Palm Sunday" (2007), or "The Lost Letter" (2011-2017).

 

Concept of the Symposium (12.3.2021)
Anselm Kiefer has taken up existential themes for society and its individuals. After his intensive examination of German post-war history in his early work, he has produced works on the connection between Jewish and Christian culture in recent decades since moving to France. In them, the artist shows his interest in the various world religions, mysticism, and the findings of the natural sciences. Kiefer's works are contemporary history paintings that critically reflect on history and achieve an emotional effect with their aesthetics.

 

Anselm Kiefer's work has been shown in numerous international exhibitions and was accompanied by extensive catalogues. Various publications and monographs focus on important themes in the artist's oeuvre or show the history of the studios, which appear as artistically shaped landscapes transformed into total works of art. Individual art history studies compared Kiefer's work in various contexts with other contemporary artistic positions. Art criticism, in turn, has provided a public discussion of the aesthetics and thematic content in Anselm Kiefer's works. Anselm Kiefer has received numerous awards and has even been commissioned to create new works for the Louvre or the Panthéon.

 

In the context of the special exhibition at the Kunsthalle Mannheim, the symposium will illuminate Anselm Kiefer's work from the perspective of recent research. In addition to the presentation of the works, the transdisciplinary research of comparative and critical studies from the fields of art history, literature and cultural studies, history and political science, memory culture, theology or art education will be presented. The selected speakers of the symposium and the discussions with the audience should contribute to the current and recent international reception of Anselm Kiefer. The call is addressed to both established and emerging scholars; submissions from qualifying papers, ongoing research projects, or essays on art criticism that date back no more than five years are invited. The proposal may focus on the exhibited works or may consider the following contexts:

 

  • Anselm Kiefer's work in the context of the postwar period and commemorative culture.
  • Discourse and criticism of the work in contemporary art history
  • The German-French perspective on the political role of the artist Anselm Kiefer
  • Poetry and writing in Kiefer’s paintings and sculptures
  • Cosmology and astronomy between Renaissance and NASA
  • World Culture Studies
  • Gender Studies
  • Jewish mysticism and Kabbalah rediscovered
  • Christian Iconography in Transition
  • Artists' books and knowledge transfer
  • Kiefer's work in art education and art pedagogy
  • Further proposals are possible

 

The symposium will be inaugurated by a panel discussion.

Participants of the panel are:

  • Prof. Dr. Andreas Beyer, University of Basel, Department of Art History, Chair of the research network Bilderfahrzeuge.
  • Prof. Dr. Klaus Gallwitz, Karlsruhe, former director of the Städelsches Kunstinstitut Frankfurt am Main, curator of works by Anselm Kiefer in the German Pavilion at the Venice Biennale in 1980.
  • Dr. Esther Graf, member of the board of the Jewish community of Mannheim, academic researcher in art history at the Center for Jewish Studies in Heidelberg
  • Dr. Harriet Häußler, freelance art historian, Berlin, 2000-2003 studio assistant to Anselm Kiefer, PhD thesis on Anselm Kiefer's "Himmelspaläste" (Heavenly Palaces)

 

The proposed presentations should not extend 20 minutes. Conference languages are German and English. Due to the current measures to contain the Covid-19 pandemic, the event will be hybrid and streamed online. Presentations can be accessed online via a video chat platform set up by the organizer.

 

Deadline for proposal submission: January 31, 2020.
Please submit abstracts by email with a maximum of 2,000 characters and CV details. A selection of papers will be made by February 4, 2020. Contact: sebastian.baden@mannheim.de

 

The Kunsthalle will cover the costs of accommodation for the speakers. Travel costs can be subsidized by prior arrangement.

 

The exhibition and the program are sponsored by Stiftung Kunsthalle Mannheim, Hector-Stiftungen, Verein 321-2021:1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland e.V., and the Federal Ministry of the Interior, Building and Community.

 

Curator of the exhibition: Dr. Sebastian Baden
Program curator: Dörte Dennemann
Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
68165 Mannheim
kuma.art

Save the date: virtuelle Tagung „Digitale Erfahrungen und Strategien in der Kunstgeschichte nach einem Jahr Corona-Pandemie“ 26.-27. März 2021 || blog.arthistoricum.net

Digitale Erfahrungen und Strategien in der Kunstgeschichte nach einem Jahr Corona-Pandemie

#vKG2021

Tagung (Zoom/Miro), 26. – 27. März 2021

Das kunsthistorische Arbeiten unter Pandemie-Bedingungen hat das Verhältnis des Fachs zur Digitalität tiefgreifend verändert – bestehende Entwicklungen beschleunigt, Potentiale freigesetzt, aber auch Brüche und Defizite aufgezeigt.

Die gemeinsame Tagung des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e.V., des Ulmer Vereins und des Arbeitskreises Digitale Kunstgeschichte sucht ein Jahr nach der ersten pandemiebedingten Schließung der Museen, Universitäten und Forschungsinstitute den Erfahrungsaustausch, lädt zur Reflexion ein und möchte vorhandene und noch zu entwickelnde Strategien diskutieren.

Programm und weitere Informationen folgen.

 

Curatorial Studies – Statements: Neue Essaysammlung als Open-Access-Veröffentlichungen auf ART-Dok || blog.arthistoricum.net

Curatorial Studies - Statements / Cover
Curatorial Studies - Statements / Cover

Ein Beitrag von Dr. Stefanie Heraeus

 

Curatorial Studies – Statements ist eine Essaysammlung des 2010 gegründeten Frankfurter Masterstudiengangs Curatorial Studies, der von der GOETHE-UNIVERSITÄT und der HOCHSCHULE FÜR BILDENDE KÜNSTE–STÄDELSCHULE durchgeführt wird, in Kooperation mit der HOCHSCHULE FÜR GESTALTUNG OFFENBACH und mehreren Frankfurter Museen: MUSEUM MMK FÜR MODERNE KUNST, STÄDEL MUSEUM, LIEBIEGHAUS SKULPTURENSAMMLUNG, HISTORISCHES MUSEUM FRANKFURT, WELTKULTUREN MUSEUM und PORTIKUS.

 

Die Essaysammlung wurde auf ART-Dok, dem Volltextserver von arthistoricum.net online im Open Access veröffentlicht. ART-Dok - Publikationsplattform für Kunst- und Bildwissenschaften wird von der Universitätsbibliothek Heidelberg im Rahmen ihres von der DFG geförderten "Fachinformationsdienst Kunst-Fotografie-Design" bereitgestellt.

ART-Dok: Publikationsplattform für Kunst- und Bildwissenschaften
ART-Dok: Publikationsplattform für Kunst- und Bildwissenschaften

Zum Auftakt der Reihe Curatorial Studies – Statements erscheinen 15 Essays. Sie zeugen vom breiten Spektrum kuratorischer Diskussionen und Forschungen und spiegeln zugleich die Struktur des Studiengangs: Wissenschaft, künstlerische Praxis – sowohl gegenwärtige als auch historische – sowie deren Vermittlung und Ausstellung werden aufeinander bezogen und theoretisch-kritisch reflektiert. Durch die institutionalisierte Verflechtung von Universität, Kunsthochschule und Museum treffen unterschiedliche Diskussionskulturen aufeinander und verbinden diese Perspektiven.

 

Einige Essays gehören zum direkten Forschungsfeld der Curatorial Studies, wenn es etwa um institutionskritische Handlungsspielräume von Kunstvereinen oder um die Instrumentalisierung des White Cube geht. Nadine Droste diskutiert, im Rückgriff auf die letzten 50 Jahre, in ihrem Essay „Der Kunstverein als Institution der Kritik“ die heutigen Bedingungen und Möglichkeiten einer kritischen institutionellen Praxis dieser ursprünglich bürgerlichen Einrichtung. Maximilian Wahlich legt in seinem Essay „Die weiße Zelle des Faschismus“ dar, wie das Raumkonzept der weißen Wand in den Propagandaausstellungen der Nationalsozialisten zur Konditionierung von Exponaten und Menschen genutzt wurde. Viele Fragestellungen sind aus Arbeitserfahrungen in Museums- und Ausstellungsinstitutionen hervorgegangen, manche aus konkreten Projekten wie Caroline Schäfers Essay zur bislang kaum erforschten „Porträtsammlung Grohte im Historischen Museum Frankfurt“. Schäfer war beteiligt an der mehrsemestrig erarbeiteten Ausstellung „Die Welt im Bildnis. Porträts, Sammler und Sammlungen in Frankfurt von der Renaissance bis zur Aufklärung“ (2020 im MUSEUM GIERSCH der GOETHE-UNIVERSITÄT).

 

Häufig sind es konkrete Ausstellungsinstallationen, mitunter von den Künstler*innen mitkuratiert, die den Ausgangspunkt der theoretischen Überlegungen bilden und Aufschluss geben über künstlerische Konzeptionen und Vorgehensweisen. Im Fokus von Katrina Weissenborns Essay „Art and Objecthood: Studien zu Cady Noland“ stehen zwei Installationen der Ausstellung im MUSEUM MMK FÜR MODERNE KUNST. An diesen legt sie dar, wie die Künstlerin durch die Platzierungen ihrer Arbeiten die Wahrnehmung der Betrachtenden subtil lenkt und so den kunsttheoretischen Überlegungen Michael Frieds zur Minimal Art widerspricht. Ramona Heinlein befasst sich in ihrem Essay „Unterwegs zur Zeichnung – Über die Installation das (to Inger Christensen) von Silvia Bächli“ mit dem Beitrag der Künstlerin zu Venedig-Biennale 2009 im SCHWEIZER PAVILLON. Durch die akribische Positionierung ihrer Papierarbeiten überführt Bächli die subjektive Geste der Handzeichnung in den Raum und lässt ein Zeichnungsgefüge wechselnder Perspektiven und Rezeptionsmodi entstehen.

 

Mit „Expansion in die Trägermedien. Bestimmung der konzeptuellen Verfahren im Werk von Christopher Williams“ macht Sebastian Schneider anschaulich, dass sich die konzeptuellen Aspekte dieser handwerklich perfekten Fotografien präziser fassen lassen, wenn man die Bereiche von Produktion, Herstellung und Distribution als zentralen Teil seiner Konzeptkunst interpretiert. Marina Rüdiger befasst sich in ihrem Essay „Die Narrative des Sockels in der zeitgenössischen Kunst“ (Link folgt in Kürze) mit den installativen und multimedialen Arbeiten von Shahryar Nashat am Beispiel von dessen Einzelausstellung 2016 im PORTIKUS. Damit rückt sie ein Ausstellungsmöbel in den Mittelpunkt, das zumeist Teil der Inszenierung, selten jedoch zentrales Thema ist. Benedikt Seerieders Essay „Vom Begehren nach Individualität. Inszenierungen des (Un)Persönlichen bei Christian Boltanski und Henrik Olesen“ stellt heraus, wie die beiden Künstler Formen des Exponierens für ihre Arbeiten nutzen: Die von ihnen im Ausstellungsraum präsentierten Artefakte, die an die Stelle von bestimmten Individuen treten, erzeugen durch ihre spezifischen Anordnungen ambivalente Rezeptionserfahrungen.

 

Andere Essays rücken künstlerische Positionen und Problemstellungen ins Zentrum, die aktuelle Diskurse aufgreifen zu den Themenfeldern Queer, Körper, Gender und Environment. José B. Segebres Essay „Shaking Laughter Out: Jack Smith’s Decomposing Creatures” (Link folgt in Kürze) führt Lachen als Kategorie und formales Verfahren für die Filmanalyse des queeren Kultklassikers Flaming Creatures (1962–1963) von Jack Smith ein unter Einbeziehung von George Batailles Schriften.

 

Franziska Linhardts Essay „Gesten der Berührung, Zonen des Transfers – Josephine Prydes Hands (Für mich)“ befasst sich mit der 2014 bis 2016 entstandenen Fotoserie. Linhardt legt dar, wie sich in dieser Serie zugleich die Faszination für Entkörperlichung, Mediatisierung und Virtualisierung einerseits, und die Wiedereinschreibung des Körpers andererseits manifestiert. In ihrem Beitrag „Alina Szapocznikow – Der Körper als formbare Substanz“ geht Susanne Mierzwiak der Rezeption und Positionierung der in Vergessenheit geratenen Künstlerin des Ausstellungsdiskurses der 1960er Jahre nach. Mierzwiak befasst sich mit der Rolle des Kritikers Pierre Restany und untersucht aus materialikonografischer Perspektive die synthetischen Assemblagen abgeformter Körperfragmente.

 

In ihrem Essay “Ana Mendieta: Posthumanist Performativity and Spiritual Becomings” gelingt es Milena Maffei, die Arbeiten der kubanischen Künstlerin mithilfe posthumanistischer Theorien des Performativen neu zu kontextualisieren. Damit setzt sie sich von den gängigen westlichen Werkinterpretationen und formalistisch geprägten Analysemodellen ab. Mit dem Aufsatz „Auf Messers Schneide. Geschlechterdifferenz als Visualisierungsstrategie in Der Anatom von Gabriel von Max“ stellt Mirjam Wilhelm heraus, wie stark dieses Gemälde der Münchener Salonmalerei die Geschlechterrealitäten popularisierte und zugleich das Rollenverständnis des Malers als genialer Künstler formulierte.

 

Mit Gestaltungsprinzipien des urbanen Raums befasst sich Sina Brückner-Amin in „The Greenest Playground. Planting Los Angeles, 1930“. Darin zeigt sie, wie sich die Begrünung der nordamerikanischen Westküstenmetropole an der Szenerie von Hollywoodfilmen orientierte, Gegenden nichtweißer Bevölkerungsschichten ausließ und auf der Grundlage von deren Unterdrückung und Ausbeutung entstand.

 

Alice Gustson schließlich analysiert, wie 40 Jahre später in der gleichen Stadt, am LOS ANGELES COUNTY MUSEUM OF ART, ein interdisziplinärer Austausch zwischen Kunst, Wissenschaft und Technologie initiiert wurde. In ihrem Essay „Space Exploration. (Welt-)Raumforschung zwischen Kunst und Wissenschaft im Habitability Project von Robert Irwin und Edward Wortz“ widmet sie sich den Wahrnehmungsexperimenten zum Universum in den 1960/70er Jahren und deren Einfluss auf künstlerische Produktionen.

 

Das auf jährlich 12 bis 15 Studierende begrenzte Masterprogramm hat bislang 76 Absolvent*innen hervorgebracht, von denen derzeit mehr als die Hälfte in Museums- und Ausstellungsinstitutionen arbeiten, 13 promovieren und einige eigene Projektinitiativen gestartet haben.

Call for Papers & Save the Date: Open Space der Digitalen Kunstgeschichte – Wir wollen neue Erkenntnisse teilen, gemeinsam unser Methodenrepertoire schärfen und neue Wege diskutieren || blog.arthistoricum.net

Die Digitalisierung hilft Komplexität zu erfassen, die dem Menschen analog so nicht zugänglich wäre. Das gilt nicht nur für die Wettervorhersage oder für die Auswertung pandemischer Daten. Das betrifft alle Wissenschaften und so auch die Kunstgeschichte.